Angehörige der Opfer machen Druck
Petition für Loveparade-Prozess

Ordner und Listen mit den ausgedruckten Daten von mehr als 350 000 Online-Unterstützern: Hinterbliebene von Loveparade-Opfern dringen mit der Petition auf einen Strafprozess zur Aufarbeitung der Katastrophe mit 21 Toten und mehr als 600 Verletzten. Bild: dpa

21 Tote und über 600 Verletzte gab es bei der Loveparade-Katastrophe. Einen Strafprozess hat das Landgericht Duisburg aber wegen Mängeln in der Anklage abgelehnt. Jetzt haben Angehörige der Opfer eine Petition für einen Prozess vorgelegt.

Düsseldorf. Gabi Müller hält das Foto ihres Sohnes in der Hand. Ein lächelnder blonder junger Mann, "Gerechtigkeit für Christian!", steht darauf. Der Termin am Oberlandesgericht am Montag in Düsseldorf ist für die Mutter ein Schritt auf dem Weg dahin. Ihr Sohn ist einer von 21 Menschen, die vor sechs Jahren in dem furchtbaren Gedränge auf der Loveparade in Duisburg starben. Die Hinterbliebenen von drei Todesopfern übergaben die Daten von über 360 000 Unterstützern, die in einer Online-Petition einen Strafprozess fordern.

Denn das Landgericht Duisburg hat im Frühjahr die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen zehn Angeklagte abgelehnt. Das Gericht befand, dass die Beweismittel für die Vorwürfe der Anklage nicht reichen. Dagegen haben Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Beschwerde eingelegt. Darüber wird das Oberlandesgericht entscheiden.

Die Angehörigen sind fassungslos. "Es kann nicht sein, dass es keine Verantwortung gibt", sagt die komplett weiß gekleidete Gabi Müller. "Das ist, als ob unsere Kinder nochmal gestorben sind."

"Das ist eine ungerechte Entscheidung", meint auch Francisco Zapater. Der Spanier hat bei der Loveparade seine Tochter Clara verloren. Der Mann im blauen Anzug hält seine Frau Nuria fest an der Hand. "Mit den Unterschriften wollen wir das Herz der deutschen Justiz ein bisschen berühren, damit eine neue Entscheidung kommt", übersetzt eine Dolmetscherin.

Dann stehen die Kisten im imposanten Foyer des Gerichts, Baujahr 1906. Gerichtssprecher Andreas Vitek sagt: "Jeder mitfühlende Mensch hat natürlich Verständnis dafür, dass die Hinterbliebenen, die anderen Opfer der Loveparade-Katastrophe als auch die Öffentlichkeit wissen wollen, welches die Gründe und Ursachen für diese Tragödie waren." Er betont zugleich, dass das Gericht nach Recht und Gesetz, unabhängig von einer Petition, über die Beschwerde entscheiden werde. Auch die Anwälte der Hinterbliebenen hatten dies zuvor schon betont.

Die Angehörigen sagen immer wieder, wie dankbar sie für die Solidarität sind. Aufgeben will Gabi Müller nicht. "Das bin ich meinem Kind schuldig." Am Sonntagabend, dem sechsten Jahrestag der Tragödie, hatten zahlreiche Menschen in Duisburg mit einem Meer aus Kerzen an die Opfer erinnert.

Definition: PetitionDas Petitionsrecht gehört zu den ältesten Rechten überhaupt. Schon im Mittelalter hatte jeder Einzelne die Möglichkeit, den Regierenden Bitten und Beschwerden vorzutragen. Da es, anders als heute, noch keinen umfassenden Rechtsschutz gab, war eine Petition häufig die einzige Chance, sein Recht durchzusetzen. Heute ist das Petitionsrecht im Grundgesetz verankert. "Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden", heißt es in Artikel 17. Adressaten einer Petition können Behörden oder der Bundestag sein, der sie von einem Ausschuss prüfen lässt. 2015 gingen dort mehr als 13 000 Petitionen ein. (dpa)
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