"Anleingebot setzt nur Gesetze um"
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Hunde sollen im Ammerbachtal auch in Zukunft ohne Leine herumlaufen dürfen" in der Amberger Zeitung vom 11. März.

Natürlich sollen Hunde auch in Zukunft im Ammerbachtal ohne Leine herumlaufen dürfen, aber unter Beachtung unserer Gesetze wie es sich im Rechtsstaat gehört.

In meiner Kindheit habe ich gerne unseren Hofhund mit aufs Feld genommen. Mein Vater erlaubte das aber nur, wenn die Äcker abgeerntet waren. Niemals durften wir Kinder mit dem Hund auf fremden Grund oder in ein Maisfeld zum Versteckspielen. Heute weiß ich, dass das Betreten von landwirtschaftlichen genutzten Flächen in der Vegetationsperiode gesetzlich (Artikel 25 Absatz 1 des Bayerischen Naturschutzgesetzes) verboten ist.

Die Schafweiden im zukünftigen Landschaftsschutzgebiet Ammerbachtal sind landwirtschaftlich genutzte Flächen. Brache ist keine Alternative, denn ohne Beweidung wäre das Gebiet in kürzester Zeit mit Büschen bewachsen, auf dem Weg zum Wald. Dies wäre das Aus für die einzigartige Schönheit der Landschaft.

Das Betretungsverbot gilt nicht nur für Frauchen/Herrchen, sondern selbstverständlich auch für den Hund. Sind sich die Hundebesitzer im Klaren darüber, was passiert, wenn ihr Liebling ein frisch gesetztes Häschen aufspürt oder im Gelege eines Bodenbrüters stöbert? Die jungen Hasen verhungern, weil die Häsin sie nicht mehr annimmt, die Eier einer Feldlerche werden nicht ausgebrütet, weil sie das Nest verlässt.

Ich habe von 1972 mit Unterbrechung bis 1994 meine Soldaten auf dem damaligen Standortübungsplatz Fuchsstein ausgebildet. Nach der Nachtausbildung konnten wir im Morgenlicht Feldhasen beim Äsen beobachten. Wo sind sie heute? Im Frühling stiegen die Lerchen trillernd in den blauen Himmel, um dann steil und schweigend zurück ins kurze Gras zu stürzen. Heute schweigen sie nur noch.

An übende Soldaten hatte sich die Tierwelt gewöhnt, an freilaufende, stöbernde Hunde kann sie sich nicht gewöhnen. Das Vorkommen der Feldlerche auf dem Platz ist nach meinen Beobachtungen erschreckend zurückgegangen. Der Wiedehopf wird nur noch selten als Durchzügler beobachtet, obwohl die offene Schafweide ein idealer Lebensraum für ihn ist. Daher ist die Stadt auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 Absatz 1) zum Eingreifen verpflichtet. Ich danke der Verwaltung ausdrücklich dafür, dass sie ihre Arbeit macht. Mit dem Anleingebot für Hunde im Landschaftsschutzgebiet setzt sie nur deutsche Gesetze um.

Hunde müssen herumtollen können. Dafür werden Freilaufflächen, wie sie die Stadt zum Beispiel auf der Kräuterwiese hat, auch im Naherholungsgebiet vorgesehen. Das Anleingebot im übrigen Bereich wird auch das Verhältnis zwischen Besuchern mit Hunden, die "nur spielen" wollen, und anderen Besuchern, die partout nicht mit Hunden spielen wollen, deutlich entspannen.

Erwin Niklaus, Amberg

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