Anmerkung zum Artikel "Brutaler Drogenrausch" über "Rio-Prozess"
Leserbrief

Unglaublicher Aufwand

Zum Artikel über den ersten Tag des "Rio-Prozesses" ("Brutaler Drogenrausch", 16. Oktober) schreibt eine Leserin:

Dem Richter platzt der Kragen? Von einer Zeugin, die nicht bei der Tat anwesend war, will Gerichtspräsident Leupold hören, sie hätte gehört, dass bei einem Gespräch von dem Stuhl als Tatwaffe die Rede war. Der Richter verhört sie eine Stunde lang. Schreit sie minutenlang an. Droht wild gestikulierend. Droht an, sie im Gerichtssaal verhaften zu lassen. Ein Verhalten, das selbst einen unbeteiligten Prozessbeobachter in höchstes Erstaunen versetzte. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?

Eine Tatzeugin, die beim nächsten Termin vernommen werden soll, steht bereits jetzt unter der Anklage der Falschaussage - mutmaßlich ein Einschüchterungsversuch. Sie hat angegeben, sie habe von ihrem Blickwinkel aus nicht sehen können, wo der geworfene Stuhl gelandet ist. Womöglich gar nicht auf dem Polizeihauptmeister, sondern auf dem Boden?

Der Angeklagte, in einem Waisenhaus aufgewachsen und drogenabhängig, sichtbar blass, erschöpft und seelisch gebrochen, ist selbst Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse. Er ist ebenso zu bedauern wie unsere Polizei, die angesichts der Folgen dieser Verhältnisse - wie Drogenhandel, Drogenkonsum, Alkoholismus - den Kopf hinhalten muss.

Besser wäre es, man hätte einen Teil der hier aufgewendeten beträchtlichen Ressourcen der Verfolgung der Drogenbarone und der Durchsuchung ihrer möglichen Geldwäsche-Salons in Weiden gewidmet. Welch unglaublicher Aufwand wird bei diesem Prozess betrieben, um den versuchten Totschlag (daher das Beharren auf den mutmaßlich geworfenen Stuhl) anstatt der schweren Körperverletzung nachzuweisen.

Sonja SchuhmacherWeiden

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