Arbeit ist nicht alles

Arbeit, Arbeit, Arbeit: Viele kennen das Gefühl, nur zu schuften und kein Leben mehr zu haben. Job und Freizeit in Balance zu bringen, ist oft gar nicht so leicht. Experten geben Tipps, wie der Spagat gelingen kann.

(dpa/tmn) Die nächsten Aufträge, Akten oder Bestellungen kommen bestimmt! Am Arbeitsaufkommen können Mitarbeiter häufig nichts machen. Doch ein zu knackiges Pensum sorgt für Freizeitdefizite: Berufstätige machen Überstunden und haben auch nach Feierabend inneren Stress. Denn das Nachdenken über das, was noch alles zu erledigen ist, vermiest den Feierabend. So gelingt es, das Pensum zu drosseln und die freien Stunden zu genießen.

Trick 1: Am Balance-Rad drehen: Wenn die Arbeit sehr viel Raum einnimmt, sollten Mitarbeiter sich regelmäßig Zeit nehmen, ihre Prioritäten zu überprüfen, rät Anja Hume. Sie ist Karriereberaterin und Balancecoach aus Düsseldorf. In der Hektik des Alltags verlieren Berufstätige leicht den Blick für das Wesentliche. Ihr Tipp: Ein Life-Balance-Rad erstellen. Dafür einen großen Kreis malen und diesen mit dem Stift in acht Tortenstücke unterteilen.

Jedes Tortenstück steht für einen Lebensbereich: Beruf, Familie, Partnerschaft, Freunde, Freizeit, Persönliche Entwicklung, Spiritualität, Körper, Zuhause. "Malen Sie aus, wie zufrieden Sie mit jedem Tortenstück momentan sind", erklärt die Anti-Stress-Expertin. Wenig Füllung bedeutet nicht so zufrieden, viel Füllung sehr zufrieden. Danach gilt es zu bewerten, wie wichtig jedes Tortenstück ist. "Das fertige Life-Balance-Rad führt Ihnen sehr genau vor Augen, ob Ihr Leben mit Ihren Bedürfnissen übereinstimmt." Dieser Blick erleichtere es, konkrete Veränderungen anzugehen.

Trick 2:Keep it simple!: Bei einem Fulltimejob halten Mitarbeiter Freizeitaktivitäten unter der Woche am besten so unkompliziert wie möglich, sagt Stella Cornelius-Koch. Sie ist Expertin zum Thema Stressbewältigung und Sachbuchautorin zum Thema. "Wenn man sich nach Feierabend noch für eine lange Fahrt zum Fitnessstudio aufraffen muss, ist die Motivation meistens gering." Ideal sei es, Bewegung direkt mit der Arbeit zu verbinden, etwa den Arbeitsweg mit dem Rennrad zurückzulegen. "Perfekt sind auch Sportarten, die man direkt von der Haustür aus erledigen kann, zum Beispiel Joggen oder Nordic Walking." Auch andere Aktivitäten und Verabredungen besser so einfach wie möglich gestalten, sich zum Beispiel beim Italiener ums Eck treffen, anstatt selbst den Kochlöffel zu schwingen.

Trick 3: Date mit sich selbst: Erst der Job, dann die Familie, der Haushalt, der Einkauf, die Freunde... Die Liste könnte noch beliebig weitergehen. Was häufig fehlt ist: Zeit für sich selbst. Warum sich nicht einmal bewusst zum Date mit sich selbst verabreden? "Überlegen Sie sich Dinge, auf die Sie wirklich Lust haben", rät Cordula Nussbaum. Sie ist Expertin für Zeitmanagement. Das können ganz unterschiedliche Aktivitäten sein: ein Abend in der warmen Badewanne, ein Kinofilm, ein Besuch im Theater oder in der Sauna, eine Joggingrunde um den Block oder bewusstes Nichtstun. "Wichtig ist, den Termin fest im Kalender zu notieren und ihn konsequent wahrzunehmen." Fällt das schwer, sei es für die Anfangszeit sinnvoll, die Termine verbindlich zu machen - zum Beispiel die Kinokarte ein paar Tage vorher zu kaufen oder den Babysitter für die Kinder zu buchen.

Trick 4: Mehr Delegieren: Bloß niemanden belasten oder den Eindruck erwecken, das Pensum nicht zu schaffen: Es gibt viele Gründe, weshalb manche versuchen, alles selbst auf die Reihe zu bekommen. Doch es ist wichtig, auch mal abzugeben. "Übertragen Sie Aufgaben, bei denen es nicht wichtig ist, dass Sie sich höchstpersönlich darum kümmern, auch mal an andere", sagt Nussbaum. Dazu gehört auch der Mut, Nein zu sagen, wenn neue Aufgaben verteilt werden. "Setzen Sie sich hin und notieren Sie, was Sie derzeit alles auf der Agenda haben. Und dann streichen Sie, was vielleicht mal wichtig war, es heute aber nicht mehr ist."

Trick 5: To-do-Box: Neben dem täglichen Pflichtpensum gibt es auf der To-do-Liste immer noch eine Menge Aufgaben mit rotem Ausrufezeichen, die für ein ständig schlechtes Gewissen sorgen. Cordula Nussbaum rät, sich von diesem ewigen "Ich muss"-Druck zu befreien. Ihr Tipp: Eine reisende To-do-Sammlung. "Notieren Sie sich Ihre weiterreichenden Ideen und Aufgaben in einer Kladde, einem Word-Dokument oder einer App unabhängig vom täglichen Pflichtkalender."

Daraus können Berufstätige sich dann bei Gelegenheit herauspicken, wofür gerade Zeit ist. "Über alles, was Sie an einem Tag nicht schaffen, müssen Sie sich dann nicht sorgen, es reist mit Ihnen in die nächsten Tage." Durch diese Trennung vom täglichen Kalender, haben Berufstätige nicht das Problem, Unerledigtes immer wieder schieben zu müssen. "Das spart Frust und vor allem wertvolle Lebenszeit."
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