Arbeiter sterben in Bangladesch
Inferno in Fabrik

Mehr als 30 Stunden nach der Explosion in einer Verpackungsfabrik in Bangladesch sind die Flammen noch nicht unter Kontrolle. Mindestens 29 Arbeiter kamen bei dem Inferno am Wochenende ums Leben. Bild: dpa

Erneut wird in Bangladesch der Arbeitsplatz in einer Fabrik zur tödlichen Falle: Nach der Explosion eines Kessels brennt das Gebäude eines Verpackungsherstellers lichterloh und stürzt ein. Mehrere Arbeiter werden noch unter den Trümmern vermisst.

Dhaka. Bei einem Fabrikunglück in Bangladesch, im Industriegebiet Tongi rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka, sind mindestens 29 Menschen gestorben. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zahlreiche weitere Opfer verletzt. Ein Kessel sei am Samstagmorgen explodiert, sagte der Sprecher der Einsatzbehörde, Mohammad Rafiquzzaman. Weil in der Fabrik Chemikalien gelagert wurden, breitete sich ein Flammeninferno aus. Das vierstöckige Gebäude stürzte ein.

Namhafte Kunden bestürzt


Viele Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Einige Opfer hätten Verbrennungen erlitten, sagte ein Arzt des Tongi-General-Hospitals der Deutschen Presse-Agentur . In der Tampaco-Foils-Fabrik werden Verpackungen für Tabak und andere Konsumgüter hergestellt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Zulieferer für Dutzende, auch internationale, Konzerne. Einer der Kunden, der Tabakkonzern British American Tobacco, zeigte sich bestürzt und sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Auch der Schweizer Nahrungsmittel-Gigant Nestlé reagierte fassungslos auf den Unfall. Das Unternehmen habe von der betroffenen Firma Produkte bezogen, teilte Nestlé am Sonntag mit. Man sei "schockiert und traurig" angesichts der Toten und Verletzten.

Auch mehr als 30 Stunden nach der Explosion kämpfte die Feuerwehr am Sonntag darum, die Flammen im Gebäude unter Kontrolle zu bringen. So hatten die Rettungskräfte nach Angaben des örtlichen Verwaltungschefs SM Alam stundenlang Schwierigkeiten, den Brand zu löschen und den Weg so freizuräumen, dass mit der Suche nach Opfern im Gebäude begonnen werden konnte. Mehr als 20 Leichen wurden demnach bislang aus den Trümmern geborgen. Ärztlichen Angaben zufolge erlagen mindestens 8 Fabrikarbeiter in Kliniken ihren Verletzungen.

Experten suchen Ursache


Eine Untersuchungskommission zu dem Vorfall wurde dem Verwaltungschef zufolge eingesetzt. Sie solle in den nächsten sieben Tagen Bericht erstatten. Der Fabrikbesitzer, der ehemalige Parlamentsabgeordnete Syed Mokbul Hossain, sagte der Lokalzeitung "Prothom Alo", er wisse nicht, ob der Kessel defekt gewesen sei und ob er regelmäßig gewartet wurde. Er gehe davon aus, dass zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 75 Menschen im Gebäude arbeiteten. Anhand einer Liste von Beschäftigten der Fabrik ging die Bezirksverwaltung davon aus, dass noch 9 Menschen unter den Trümmern lagen.

Tödliche Unfälle in Fabriken in Bangladesch sind keine Seltenheit: Verpackungen, Kleidung oder andere Textilien werden oft unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert.
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