Asien hält sich an konservative Familienwerte
Vater, Mutter, Kind

Das klassische Familienbild: Vater, Mutter, ein Kind. Asien tut sich mit Alternativen zu Mutter-Vater-Kind-Familien schwer. Bild: dpa

In Asien werden konservative Familienwerte hochgehalten. Alleinerziehende, unverheiratete Mütter, gleichgeschlechtliche Paare - in vielen Ländern sind das Tabus. Aber es tut sich etwas.

Singapur. Was Familienwerte angeht, sind die asiatischen Länder durch die Bank ziemlich konservativ. "Mutter, Vater, Kinder" - die Staaten propagieren das traditionelle Modell und das spiegelt auch die Einstellung beim Großteil der Bürger wider. Der Realität entspricht das längst nicht mehr: Es gibt Alleinerziehende, unverheiratete Mütter und langsam auch Familien mit schwulen und lesbischen Eltern. Wie gehen Regierungen damit um? Ein paar Beispiele zum Weltfamilientag:

Singapur: Der reiche Stadtstaat hat eine niedrige Geburtenrate und versucht, die knapp dreieinhalb Millionen Staatsangehörigen zum Heiraten und Kinderkriegen zu ermuntern. Gefördert wird nur die "Vater-Mutter-Kind"-Familie. Junge Ehepaare haben beim Kauf von subventionierten Wohnungen Priorität vor Singles. Die Organisation "Aware" verlangt gerade mit einer Poster-Kampagne Anerkennung für Alleinerziehende. Unverheiratete Frauen haben erst seit diesem Jahr Anspruch auf bezahlten Mutterschaftsurlaub.

China: Familien außerhalb des "Vater-Mutter-Kind"-Modells gibt es offiziell nicht. Wer ledig ist und ein Kind bekommt, muss mitunter eine empfindliche Strafe zahlen - oft mehrere Jahreseinkommen. Wenn der Vater eines unehelichen Babys einen DNA-Test verweigert, hat die Mutter Schwierigkeiten, Ausweispapiere für ihr Kind zu bekommen. Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben, bleiben oft wegen der Kinder zusammen. Weil die Familie häufig auf eine traditionelle Ehe drängt, heiraten Schwule und Lesben immer öfter untereinander - nach außen stimmt's und sie leben trotzdem mit ihren wahren Partnern zusammen.

Malaysia: In dem mehrheitlich muslimischen Land ist Homosexualität verboten. Die mächtigen Scharia-Behörden lassen nur das traditionelle Familienbild gelten. Selbst Ehen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sind verboten. Jahrelang schwelte ein Streit vor Gericht, weil ein Hindu nach der Eheschließung mit einer hinduistischen Frau zum Islam übertrat. Das Scharia-Gericht wollte ihr die Kinder wegnehmen, weil sie nicht Muslimin ist.

Kambodscha: Offiziell gibt es in dem buddhistischen Land nur Ehen zwischen Mann und Frau. Aber gleichgeschlechtliche Beziehung würden durchaus anerkannt - es hänge von der Lokalbehörde ab, erklärt das Zentrum für Menschenrechte. Wenn der Schein durch eine traditionelle Ehe gewahrt ist, werden schwule Beziehungen stillschweigend toleriert, ähnlich wie außereheliche Beziehungen heterosexueller Männer. Für Frauen gelten striktere Regeln. Ledige Mütter haben einen schweren Stand, weil Frauen vor der Ehe keinen Sex haben sollen. Lesben können nur im Verborgenen leben.

Vietnam: Der kommunistische Einparteienstaat hat das zunächst verhängte Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen 2015 abgeschafft. Für gleichgeschlechtliche Paare gilt aber etwa das Scheidungsrecht nicht. Selbst auf dem Land feiern Familien jetzt Schwulen- und Lesben-Ehen, Eltern schämten sich nicht mehr so. Als Paar können Schwule und Lesben nicht adoptieren, aber als Einzelpersonen.

Der Internationale Tag der FamilieDer Internationale Tag der Familie wurde 1993 von den Vereinten Nationen ausgerufen, um jährlich am 15. Mai die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft zu betonen. In Deutschland organisiert die Initiative "Lokale Bündnisse für Familie" dazu Hunderte Aktionen, in diesem Jahr unter dem Motto "Mehr Zeit für das, was zählt: Die Neue Vereinbarkeit". Viele Mütter wünschen sich nach der Geburt ihres Kindes, schneller wieder in den Beruf einzusteigen. Viele Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Der Aktionstag sollte nicht mit dem alle drei Jahre veranstalteten Weltfamilientreffen - ebenfalls ein Weltfamilientag - verwechselt werden. Es gilt als eines der wichtigsten Großereignisse der katholischen Kirche. (dpa)
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