Atomenergiebehörde versucht Zika-verbreitung einzudämmen
Nuklear-Attacke gegen Mücken

Mit Hilfe von durch Radioaktivität sterilisierten Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) wollen Wissenschaftler die Verbreitung des Dengue-Fiebers und des Zika-Virus eindämmen. Bild: dpa

Die Forscher nennen es martialisch "Selbstvernichtungsverfahren". Dahinter verbirgt sich eine Technik, die im Kampf gegen das Zika-Virus, aber auch gegen andere Tropenkrankheiten helfen könnte.

Seibersdorf. Es riecht streng im Labor - eine malzige, metallene, modrige Note liegt in der Luft. In großen Schalen liegt das Futter für die Mücken, bestehend aus Fischmehl, Hefe, Rinderleber in Pulverform und Kuhblut. Die Larven der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die das Zika-Virus überträgt, gedeihen so prächtig. In den vielfach gesicherten Räumen der "Insect Pest Control" der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im österreichischen Seibersdorf wachsen Zehntausende von Tsetse-Fliegen und Mücken heran.

Das Ziel: Die Männchen mit radioaktiver Strahlung zu sterilisieren und so Plagen wie Zika, Dengue und Gelbfieber einzudämmen. "Es ist eine Umkehrung des Ansatzes, die Moskitos mit Insektiziden zu töten. Es geht darum, die Fortpflanzung zu unterbrechen", sagt Marc Vreysen, Leiter des IAEA-Labors.

Die IAEA -- bekannt als Überwachungsbehörde für alle zivilen atomaren Anlagen - nutzt ihr Atomkraft-Know-how seit Jahren auch zur Insektenbekämpfung. Auf dem etwa einwöchigen Weg vom Ei hin zum Insekt wartet die Bestrahlungsbox. Im Puppenstadium werden die männlichen Exemplare einer Strahlung von 120 Gray ausgesetzt. "Das wäre für einen Menschen tödlich", sagt Vreysen.

Basis für Selbsthilfe


Die etwa 45 Experten in Seibersdorf wollen mit ihrer Arbeit die Grundlage schaffen, damit die von Tropenkrankheiten und Schadinsekten betroffenen Länder in eigener Regie die Methode anwenden können. Das größte der etwa 30 Projekte weltweit läuft laut IAEA derzeit in Guatemala. Dort werden etwa eine Milliarde bestrahlte Fruchtfliegen pro Woche freigesetzt, um Obstplantagen vor Schäden zu schützen. Das Projekt wirkt wie eine biologische Hürde gegen eine Verbreitung dieser Schädlinge.

"Das sind die Jungs", sagt Moskito-Expertin Rosemary Lees und zeigt auf Hunderte von Larven und Puppen von Aedis aegypti in einer mit Wasser gefüllten Schale. Das Sortieren nach Geschlecht ist Voraussetzung für die Wirksamkeit der Methode. "Würden wir einfach alle bestrahlen, würden sich Männchen mit unfruchtbaren Weibchen paaren. Sie sollen sich aber mit fruchtbaren Weibchen vereinen, die dann Eier legen, die sich nicht mehr entwickeln", sagte Lees. Die Forscher arbeiten an der optimalen und billigsten Rezeptur für die Fliegennahrung. Aber auch an der effektivsten Bestrahlungsdosis. "Wir wollen immer den Punkt finden, an dem die Männchen steril, aber noch fit sind", so Lees.

Mit dem Rat aus Seibersdorf ist es schon in diversen Weltgegenden gelungen, die von Insekten übertragenen Krankheiten für Mensch und Tier einzudämmen oder gar auszurotten. Welche Menge an sterilisierten Gelbfiebermücken in Brasilien zur Bekämpfung von Zika nötig wäre, wagen die Experten der IAEA zur Zeit nicht zu schätzen.

China: Mit Bakterien gegen VerbreitungAuch China wappnet sich gegen das Zika-Virus. Versuchsweise werden mit Bakterien infizierte Mückenmännchen ausgesetzt, um die Population zu verringern. Erstmals wurde eine eingeschleppte Zika-Infektion nachgewiesen. Ein 34-Jähriger habe das Virus von einem Besuch aus Venezuela mitgebracht, berichteten die Gesundheitsbehörden laut Nachrichtenagentur Xinhua vom Mittwoch. Der Mann habe sich schon wieder erholt.

Im März ist ein Feldversuch in Südchina geplant, sagte der Professor für Mikrobiologie an der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou. Millionen von gezüchteten männlichen Mücken mit Wolbachia-Mikroben sollen ausgesetzt werden. Die Eier der Weibchen, die sich mit diesen Männchen paarten, seien unfruchtbar. Im Kampf gegen das Dengue-Fieber wurde so im Vorjahr die Mückenpopulation um 90 Prozent reduziert. (dpa)
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