Auf Bewährung

Kaum haben Mitarbeiter den Arbeitsvertrag unterschrieben, müssen sie schon wieder zittern: Nun gilt es, die Probezeit zu schaffen. Doch unter Dauerbeobachtung passiert manches Missgeschick. Fünf typische Anfängerfehler - und eine Anleitung, wie es richtig geht.

(dpa/tmn) Die Probezeit nimmt besser niemand auf die leichte Schulter. Rund jeder dritte Mitarbeiter übersteht die ersten Monate nicht, schätzt der Karriereberater Dierk Rommel. Manche Fehler verzeiht der Arbeitgeber, andere nicht. Worauf Einsteiger achten sollten:

Falsche Prioritäten:Was im Vorstellungsgespräch besprochen wurde, ist eine Sache. Eine andere ist, was Vorgesetzte und Kollegen in der Praxis erwarten. "Da tauchen oft ganz andere Aufgaben und Prioritäten auf", erklärt der Karriereberater und Probezeit-Coach Kurt Schaffner aus Wuppertal. Wer diese Erwartungen nicht kennt, setzt falsche Schwerpunkte und gerät mit wichtigen Aufgaben in Rückstand. "Das kann schnell zum Aus führen", warnt Schaffner.

Expertentipp:Wer als Sachbearbeiter neu anfängt, darf zwar mit einem Einarbeitungsplan rechnen, doch das klappt nicht immer. Von Führungskräften wird erwartet, dass sie ihre Einarbeitung selbst managen. Schaffner rät unabhängig von der Position zu einem klärenden Gespräch mit dem Vorgesetzten: "Fragen Sie frühzeitig, was von Ihnen fachlich und persönlich erwartet wird, und was Priorität hat."

Fehlende Beziehungen: Soziale Kompetenz sollten neue Mitarbeiter nicht nur in ihrem Team zeigen. Wer sich in der Probezeit nicht um Aufbau und Pflege von Netzwerken kümmert, schneidet sich selbst von wichtigen Informationsquellen ab. Mindestens ebenso gefährlich ist es allerdings, neu gewonnene Kontakte für zeitsparende Abkürzungen zu nutzen: "Wer sich in der Anfangszeit nicht an den Dienstweg hält, hat meist schon verspielt."

Expertentipp: Rommel rät zu einem möglichst großen Netzwerk: "Es gilt, mit allen Beziehungen einzugehen, ohne sich in ein Lager zu schlagen." Gerade in der Anfangszeit sei das sehr viel leichter als nach ein paar Monaten oder Jahren. Die wichtigste Person in diesem Netzwerk sollte allerdings der Vorgesetzte sein, denn er entscheidet am Ende der Probezeit. "Diese Beziehung sollten Sie nicht erst pflegen, wenn etwas schief läuft." Und was den Dienstweg angeht: Der lässt sich leicht erfragen.

Mangelnde Zurückhaltung:In der Probezeit will jeder gerne zeigen, was er kann. Doch wer es übertreibt, macht sich leicht unbeliebt, warnt Karriereberaterin und Autorin Christina Tabernig aus Tutzing: "Besserwisser kann niemand leiden, und wer ständig 150 Prozent gibt, lässt die Kollegen schlecht aussehen." Zurückhalten sollten sich Neue bei Flurfunk und Tratsch: "Das kann schnell die Runde machen und landet bestimmt beim Falschen."

Expertentipp: Mitarbeiter sollten in den ersten Monaten auf persönliche Einschätzungen und Verbesserungsvorschläge verzichten. "Ich würde erst einmal möglichst viel über die Hintergründe und Zusammenhänge in Erfahrung bringen, bevor ich mir eine Meinung bilde", rät Schaffner. Außerdem werde von neuen Kollegen nicht erwartet, dass sie gleich zu allem eine Meinung haben oder neue Maßstäbe setzen. "Da sollte man vorsichtig sein und nicht unnötig an seine Grenzen gehen."

Schlechtes Image: Nicht unterschätzen dürfen Mitarbeiter das Image, das sie von sich während der Probezeit aufbauen. Viele Menschen orientieren sich in Kleidung, Sprache und Benehmen an ihren Kollegen und vergessen dabei die Sicht des Vorgesetzten, erzählt Tabernig. "Wenn der Bewerber zum Vorstellungsgespräch im Anzug erscheint und dann in der Probezeit ständig in Jeans und Shirt herumläuft, fragt sich der Vorgesetzte schon, ob er wirklich eine Führungskraft eingestellt hat."

Expertentipp:Anfänger sollten sich klarmachen, für welche Position sie eingestellt wurden und was ihre eigenen Ziele sind. "Wer Karriere machen will, muss sich von Anfang an entsprechend kleiden, sonst kommt es nie dazu", sagt Tabernig. Wer sich zwischen Team und Zielen nicht entscheiden kann, sollte zumindest Sakko, Hemd, Krawatte und gute Schuhe im Büroschrank griffbereit haben.

Fehler aussitzen:Ob ein Fehler in der Probezeit wirklich das Aus bedeutet, hängt auch vom Mitarbeiter ab, beobachtet Rommel. Riskant ist es, Fehler unter den Teppich zu kehren. "Wenn der Vorgesetzte erst von anderen dadurch erfährt, wäre das fatal." Wer dann anderen die Schuld gibt oder mit Unwissenheit argumentiert, macht es nur noch schlimmer. "Das zeugt von mangelhafter Selbstreflexion und ist ein K.O.-Kriterium in der Probezeit."

Expertentipp: Wer einen Fehler macht, sollte dazu stehen und den eigenen Anteil nicht unterschlagen, rät Rommel. "Entscheidend ist es, den Vorgesetzten schnell zu informieren und möglichst gleich einen Lösungsvorschlag mitzuliefern."
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