Auf der Erfolgswelle

Die MST (Mineralien, Schifffahrt, Spedition und Transport) hat sich der Schifffahrt auf den Weltmeeren verschrieben. Wie das von der Oberpfalz aus funktioniert - darüber haben wir mit Geschäftsführer Matthias M. Ruttmann gesprochen.

Herr Ruttmann, jedes Jahr transportiert Ihre Flotte mehr als acht Millionen Tonnen Schiffsgüter über den Atlantik und in den europäischen Küstengewässern - und das von der steinigen Oberpfalz aus. Wie kommt's?

Matthias M. Ruttmann: Mein Vater, geborener Hamburger, wurde damals von einem unserer ersten Investoren nach Bayern "gelockt", ich bin dann hier geboren worden - und jetzt sind wir hier fest verwurzelt.

Sie könnten von der ganzen Welt aus operieren, haben sich vor drei Jahren mit dem Neubau Ihrer Firmenzentrale jedoch erneut für Schnaittenbach entschieden - was macht für Sie den Standort Oberpfalz so attraktiv?

Motivierte, loyale Mitarbeiter und noch immer vernünftige Kostenstrukturen, dazu kommt die hohe Lebensqualität. Nirgendwo in einem Ballungsraum kann man sich heutzutage mit einem "Durchschnittsgehalt" ein Haus mit Garten leisten. Außerdem profitieren wir in der Oberpfalz von einer sehr guten Vernetzung innerhalb der Wirtschaft, Politik sowie weiteren Institutionen wie OTH und IHK.

Hochseeschifffahrt: Wie funktioniert dieses Geschäft eigentlich?

Letztendlich wie eine Taxizentrale: Wir haben die Hardware, also Schiffe und suchen permanent nach Kunden, die in unser Fahrtgebiet, den Atlantik passen. Da gibt es Firmenkunden die feste Kontingente buchen und Spot-Kunden, die je nach Bedarf gefunden werden, teils direkt, teils über Makler. Einige kennen wir seit 40 Jahren, manche sehen wir nie wieder, und manche kommen immer wieder. Die einen brauchen Spezialschiffe, die anderen wollen "von der Stange" und möglichst günstig buchen.

Sie sind nicht alleine auf den Weltmeeren unterwegs - was macht Sie so erfolgreich?

Wir legen den Fokus auf Nischen, wie Flüssigkaolin und Eisklasse-Schiffe; außerdem sind wir stark in der Bündelung von kleinen "Paketen" auf großen Schiffen. Wir bauen Schiffe nach Kundenwunsch und gewährleisten stets effizientes Schiffsmanagement und Flexibilität bei sich ändernden Rahmenbedingungen. Man muss sich selbst immer wieder hinterfragen, ohne gleichzeitig das Rad ständig neu erfinden zu wollen.

Dann macht Ihnen die internationale Schifffahrtskrise mit hohem Konkurrenzdruck und geringen Frachtraten nicht zu schaffen?

Teilweise, in den Nischen, die rund 60 Prozent unseres Umsatzes ausmachen, betrifft uns die Krise weniger, im Standardsegment jedoch mehr. Nichtsdestotrotz haben wir fast alle Schiffe günstig eingekauft und schlagen uns auch hier vernünftig.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

Wir haben zurzeit sechs Schiffe in Japan und China im Bau - insgesamt 180 Millionen US-Dollar Investitionen in die Zukunft. Zwei Drittel sind durch langfristige Verträge abgedeckt, ein Drittel ab 2016 "offen". Zusätzlich arbeiten wir an weiteren Spezialschiffen und haben die Flotte seit 2009 fast verdoppelt.

MST ist eine der größten Reedereien Deutschlands: Wie groß ist Ihre Flotte und welche Schiffe sind das?

Unser Schwesterbüro in Rotterdam verwaltet fast 70 kleine Schiffe, wir 17 größere aus der Oberpfalz. Wenn man das zusammenzählen möchte, sind wir weit vorne. In der Praxis läuft das Geschäft fast parallel, da es relativ getrennte Marktsegmente sind. Insofern zählen wir uns eher zu den mittelgroßen Reedereien mit fast 200 Millionen Euro Umsatz zusammen. Die Schiffe sind zwischen 80 und 220 Meter lang, 10 bis 36 Meter breit und können bis zu 75 000 Tonnen Ladung mitnehmen. Das sind 3000 Lkws auf einmal.

Wie sieht eigentlich ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Von nominell 220 bis 230 Arbeitstagen bin ich knapp 100 Tage im Jahr unterwegs. Verträge mit Werften verhandeln, Finanzierungen auftreiben und Kundenbetreuung. Gleichzeitig diverse Sitzungen bei Unternehmensbeteiligungen. Im Büro ist es vor allem wichtig, in diversen Teams die grobe Richtung vorzugeben, Gedanken auszutauschen.

Sie arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen zusammen - gibt es spezielle Tugenden, die Sie nur bei Oberpfälzern ausmachen?

Wenn sie einmal überzeugt sind von einer Idee, gibt es kein Halten mehr! Da darf sich jeder Konkurrent "freuen". Gleichzeitig ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Familie und Arbeitsleben, eben alles mit Augenmaß.

Ein Blick in die Zukunft: Wohin steuert das MST-Schiff - welche Ziele und Visionen verfolgen Sie?

Auch wenn zurzeit hier und da "die Kanonen donnern", wir sind jetzt schon viel besser und diverser aufgestellt, als noch vor zehn Jahren. Mein Wunsch wäre es, diesen Pfad weiter zu beschreiten, mehr Schiffe in weiteren, neuen Nischen zu positionieren. Gleichzeitig bei der Schiffsverwaltung für Dritte zu wachsen, um Größenvorteile zu erzielen. Wir bilden momentan - für uns - Rekordzahlen an jungen Leuten aus, um in Zukunft ein verstärktes Team zu haben, das diese Herausforderungen qualitativ und quantitativ meistern kann.
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