Auf unangenehme Weise beunruhigt

Zur Reportage "Alle guten Ringe sind drei":

Ich gönne diesem Paar sein Glück und bewundere den Mut, nach zwei gescheiterten Ehen es ein drittes Mal zu versuchen (Chapeau!). Was mich beunruhigt und persönlich belastet, ist die anscheinende Wertigkeit der Nachrichten und Beiträge, wie wir es in der letzten Zeit immer wieder feststellen müssen. In der gleichen Ausgabe erscheint als 8-Zeiler unter der Überschrift "Anschläge erschüttern Kabul", dass 15 Menschen getötet und 250 Menschen verletzt wurden. Weiterhin wird berichtet, dass bei einem weiteren Anschlag mehr als 20 Tote gezählt wurden. Diese Art der Berichterstattung ist seit langer Zeit in den Medien, auch in NT/AZ, zu beobachten (230 neue Geiseln durch IS im Irak oder Hinrichtungen der schlimmsten Art als Randnotiz).

Flüchtlingsdramen werden nur aufgenommen, wenn zu viele Tote zu beklagen sind, die Grausamkeiten von Boko Haram erscheinen überhaupt nicht mehr, die fürchterlichen Zustände in den Flüchtlingslagern in Südosteuropa sind vielleicht mal als Teil eines Nachrichtenblocks im TV. Ich frage mich ernsthaft: Sind wir alle inzwischen schon so abgestumpft gegen schreckliche Ereignisse, dass wir sie beim Lesen der Frühstückszeitung einfach überlesen oder nur noch uninteressiert zur Kenntnis nehmen? Ein Hund, der in Weiden von einem Auto angefahren wird, bekommt wahrscheinlich einen höheren Informationsanteil in der Zeitung als das, was die Welt bewegen sollte. Die Überfütterung der Gesellschaft durch Ereignisse aller Art und die täglichen Berichterstattungen führen dadurch zu Ignoranz und Gleichgültigkeit für die Probleme unserer Zeit. Und die Medien haben daran auch einen gewissen Anteil. Das beunruhigt mich auf unangenehme Weise.

Peter Woelky, 92637 Weiden
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.