Aus einem Wolf wird kein Schoßhündchen

Zur Wahl von Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten von Thüringen äußert sich ein Leser:

"Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht." Heinrich Heine hatte seine "Nachtgedanken" nur ironisierend mit der politischen Situation in Deutschland in Verbindung gebracht, er war aber offensichtlich eine Art Seher, wenn man die Entwicklung in Thüringen in letzter Zeit analysiert.

Bis 1989 Teil des SED-DDR-Unrechtsstaats, Wiedervereinigung nach 40 Jahren, Aufschwung politisch durch echte Wahlen und dank finanzieller Hilfe aus "Solidarität" auch wirtschaftlich. Dann begann schleichend das kollektive Vergessen, was politisch und sonst vorher war, sprich: Planwirtschaft, Einheitspartei, Jasagertum aus Not, Überwachung in allen Bereichen und Restriktionen auf vielen Gebieten bei Berufswahl, Reisefreiheit oder sonstiger persönlicher Entwicklung.

Eine Partei, die wie die Linke durch Etikettenänderung von der SED über die PDS in ihre jetzige Form mutierte, versichert ständig, dass sich ihre politische Ausrichtung weg von der SED-Mentalität zur jetzigen demokratischen Grundposition geändert habe. Aus einem Wolf wurde bekanntlich auch noch nie ein Schoßhündchen, nur weil man seinen Namen änderte.

Da nützt es auch wenig, wenn mit Herrn Ramelow quasi in Alibifunktion ein "Westler" an die Spitze gelassen wurde, nur um sicher zu sein, dass kein Fünkchen Verdacht bezüglich einer etwaigen SED-Vergangenheit auf den Auserwählten fallen kann.

Ein Bravo insbesondere für die Genossen der SPD, die diese unheilige Allianz erst möglich gemacht haben. Eine Partei, die im Bund als Partner der CDU/CSU auftritt und verloren gegangene Meriten für ihren Aufschwung im politischen Machtgefüge (Gesamt-) Deutschlands erwerben möchte, hat offenbar nicht bemerkt, dass jetzt auch der politikverdrossenste Nichtwähler ihr demnächst beim Gang zur Urne zum selbst gewählten Suizid helfen wird.

Reinhard Moeller, 92637 Weiden
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