Ausstieg aus Flächentarifverträgen fördert Streik

Zum Streik der Lokführer (GDL):

Die Medien und sozialen Netzwerke sind derzeit voll von Berichten und Kommentaren zum aktuellen Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Leider gehen - wie so oft - die Sachlichkeit und der Blick fürs große Ganze in der Debatte verloren, teils wurde sogar eine Hetzkampagne gegen den Vorsitzenden der GDL, Weselsky, persönlich gestartet.

Immer noch liegt Deutschland mit den arbeitskampfbedingten Ausfalltagen im europäischen Vergleich weit hinten. Nicht nur die Franzosen, sondern auch Länder mit vermeintlich weit weniger "aufständischer" Arbeitnehmerschaft wie etwa Dänemark oder Großbritannien liegen da vor uns. Ein Grund, warum in Deutschland in den letzten Jahren tatsächlich ein Anstieg der Arbeitskämpfe zu verzeichnen war, liegt aber primär im Verhalten der Arbeitgeber: Immer mehr Arbeitgeber versuchen, der Bindung aus den ihnen unangenehmen Flächentarifverträgen zu entgehen, um so schlicht und einfach für die gleiche Tätigkeit in ausgelagerten Unternehmensteilen die Löhne zu drücken. Wenn die Arbeitgeberseite aber auf diese Weise die Tarifpartnerschaft aufkündigt, so ist es nur konsequent, wenn die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer darauf mit Arbeitskampf - sprich Streik - reagieren!

Nicht vergessen werden darf dabei auch der Anteil der Politik: Im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge wurden die Bahn, kommunale Kliniken und auch die Post privatisiert. Lokführer sind daher keine Beamte mehr und haben daher das gute Recht, für ihre Forderungen zu streiken, und zwar mit der Gewerkschaft, in der sie ihre Interessen am Besten vertreten sehen. Für kommunale Kliniken sind oftmals Haustarifverträge auszuhandeln. Die Post gliedert ihre Paketgesellschaften in regionale Gesellschaften aus, ganz zu schweigen von den vielen anderen Paketzustelldiensten. Und in all diesen Bereich muss ein Arbeitskampf - oft von den im DGB organisierten Gewerkschaften - gegen die Tarifflucht oder auch gegen eher arbeitgebernahe Gewerkschaften geführt werden.

Liebe Arbeitnehmer, schimpft nicht auf die GDL und die Lokführer, sondern organisiert euch selbst gewerkschaftlich, da vernünftige Tarifverträge eben kein Geschenk der Arbeitgeber sind!

Jürgen Feldsmann 95666 Mitterteich
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