Autobranche boomt wieder

Beim neuen S60 Cross Country kombiniert Volvo seine Mittelklasse-Limousine mit SUV-Genen. Bild: Volvo

Frostig ist die Stimmung nur draußen. Um die frisch renovierten Messehallen in Detroit pfeift ein eisiger Wind. Drinnen geht es dafür umso heißer her. Dutzende Neuheiten drehen sich im Scheinwerferlicht.

Amerika ist wieder wer. Die Wirtschaft wächst, die Zinsen sind niedrig, der Sprit ist billig. Kein Wunder, dass die Autobranche boomt. Vergangenes Jahr kratzte man mit 16,5 Millionen Neuzulassungen nah an der historischen Rekordmarke. Entsprechend selbstbewusst präsentieren sich die "Big Three" General Motors (GM), Ford und Chrysler auf ihrer Heimatmesse, der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit.

Auf den Ständen glänzen nicht nur die Lieblinge der Amis wie dicke Pick-ups und SUV prominent in erster Reihe. Auch für Emotionales hat man - nach Jahren der Zurückhaltung - wieder freie Hände. Buick, gemeinhin die Rentnermarke von GM, wagt sich nach 25 Jahren Abstinenz mit einem Cabriolet auf den Markt. Allerdings: Es handelt sich dabei um einen Opel Cascada mit Buick-Emblem.

Auch die Studie Avenir sorgt für staunende Gesichter. Die Oberklasse-Limousine ist eine Mischung aus 7er BMW und Bentley Mulsanne. Cadillac versucht es mit schierer Gewalt. Der CTS-V weist 640 PS aus und übertrifft damit sogar die deutschen Konkurrenten BMW M5 und Mercedes-AMG E63.

Von der Konsumlust der Amis profitieren natürlich auch die deutschen Premium-Hersteller. Porsche verkauft in den USA 50 Prozent mehr Cayenne als 911 Carrera. Der Macan wird den Zuffenhausern förmlich aus den Händen gerissen. Audis Q5 überholt im Absatz erstmals in der Geschichte den A4. Bei BMW machen die X-Modelle gut ein Drittel des US-Absatzes aus. Bei Mercedes sind die SUV das volumenstärkste Segment. Klar, dass man die Messe in Detroit dazu nutzt, um die jüngsten Schöpfungen auf die Bühne zu rollen.

Intelligenter Mischbau

Bei Audi ist es der neue Q7. Die zweite Generation soll durch intelligente Mischbauweise 325 Kilogramm weniger wiegen und so zum leichtesten Vertreter ihres Segments werden. Zudem will man den Verbrauch um bis zu 20 Prozent senken. Geplant ist sogar ein Diesel-Plug-in-Hybrid mit 56 Kilometern elektrischer Reichweite. Porsche protzt mit Power. Im Cayenne Turbo S stecken jetzt 570 PS, die den Zweitonnen-Brocken in unglaublichen 4,1 Sekunden auf Tempo 100 katapultieren sollen.

Mercedes reagiert nun endlich auf die Verkaufserfolge des BMW X6 und zeigt sein schräges Pendant GLE Coupé erstmals der Öffentlichkeit. Und weil die Münchener in Kürze die neue Generation des X6M mit 575 PS an den Start schicken, lassen selbstverständlich auch die Stuttgarter entsprechendes auf die Bühne rollen. Unterm GLE in der S-Version steckt ein 5,5-Liter-Biturbo-V8 mit 585 PS. 4,2 Sekunden werden den Sprint von null bis 100 km/h versprochen.

Zu klein, zu teuer

Einzig bei Volkswagen trägt das Thema SUV keine Früchte. Der Tiguan ist den Amerikanern zu klein, der Touareg zu teuer, weil man die Marke nicht mit "Premium" assoziiert. Lösen soll das Dilemma nun ein Mittelklasse-SUV. Wie es aussehen könnte, zeigen die Wolfsburger mit der Studie Cross Coupé GTE, eine der größten Überraschungen auf der Messe. Mit einer Länge von 4,85 Metern übertrifft der schick gestylte Crossover sogar den Touareg. Während die Studie fünf Sitzplätze aufweist, wird die Serienversion später sieben haben. Das ist in den USA ein schlagkräftiges Verkaufsargument. Besonders am Wochenende lieben es die Amerikaner, als Großfamilie unterwegs zu sein.

Um auch preislich attraktiv zu bleiben, basiert der Wagen auf dem modularen Konzernbaukasten MQB. Allerdings mit einem großen Unterschied. Im Serienmodell kommen ausschließlich Vierzylindermotoren zum Einsatz. Jetzt steckt ein 3,6-Liter-V6 in Verbindung mit einem Plug-in-Antrieb und einer Systemleistung von 360 PS unter der Haube. Gebaut wird das SUV ab Ende 2016 im VW-Werk Chattanooga im Bundesstaat Tennessee.

Schon vor zwei Jahren machte Honda die Fans heiß auf den neuen NSX. Jetzt zieht man das Tuch von der Serienversion. Ein Knaller. Der Hybrid-Sportwagen trägt einen V6-Benziner sowie zwei Elektromotoren unter seiner rassigen Hülle und gilt als ernst zu nehmender Gegner des BMW i8. Gebaut wird der NSX in Amerika.

In Sachen Hybrid mischt auch Mercedes munter mit. Weltpremiere feiert die Plug-in-Variante der C-Klasse. Nach der neuen Nomenklatur heißt sie künftig C 350e. E-Maschine und Vierzylinder arbeiten hier so effizient zusammen, dass 31 Kilometer elektrische Reichweite, 2,1 l/100 km Verbrauch und 48 g/km CO2-Ausstoß versprochen werden. Der C 350e ist ab März im Handel.

Cross Country

Auch Volvo zeigt den Stecker. Der XC 90 soll als Plug-in-Hybrid helfen, die Emissionen zu senken. Höher (65 mm) geht es dagegen beim S60 mit dem Beinamen "Cross Country" zu. Gewöhnlich kennt man diesen Gelände-Trimm bei Kombis. Hierfür eine Limousine als Basis zu wählen, macht derzeit nur Volvo und behauptet sogleich, man wäre der erste Hersteller, dem dies einfiele. Dabei rollte in den 80er-Jahren bereits bei der amerikanischen Marke AMC nach gleichem Muster der Eagle vom Band.

Damals konnte man in den USA auch noch einen Alfa Romeo kaufen. Nun setzt die italienische Traditionsmarke nach 20 Jahren Abwesenheit wieder einen Fuß auf amerikanischen Boden. Den Auftakt bildet der kleine Roadster 4C Spider. Geplant ist mehr. Noch in diesem Jahr will man eine Mittelklasse-Limousine vorstellen, genannt: Guilia. Auch sie soll bald danach die Amis verzaubern. (mid)
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