Banken-Genossenschaften besser in Aktiengesellschaften umwandeln

Zum Bericht "Genossen wetterfest für schwierige Zeiten":

Der Genosse Zepf ist sicherlich "wetterfest für schwierige Zeiten", aber gilt das auch für den gemeinen Genossen, die vielen kleinen Eigentümer der V+R Banken? "231 000 Genossen tragen die 31 Volks-und Raiffeisenbanken in der Oberpfalz." Besser wäre die Einleitung des Berichts so: "231 000 selbstlose, vorbildlich uneigennützige Genossen tragen die 31 Volks- und Raiffeisenbanken."

Denn diese Genossen sind die Eigentümer dieser Banken, sie tragen das Risiko des Bankgeschäfts, sie riskieren ihren eingesetzten Geschäftsanteil und stehen bei Schwierigkeiten ihrer Bank bereit, weiteres Geld einzuzahlen. Das ist die Nachschusspflicht. Das haben alle Genossen unterschrieben, allerdings wissen das die meisten aber nicht. Der Steuerzahler rettet die Deutsche Bank, die Volks- und Raiffeisenbanken müssen zuerst von den Eigentümern gerettet werden. Ich kann nicht glauben, dass so viele Menschen so selbstlos handeln! Ich habe bei Vorständen von Volks- und Raiffeisenbanken nachgefragt, was denn der Vorteil einer Mitgliedschaft sei. Die klarste Antwort war: "Diese Frage kann nur jedes Mitglied für sich individuell beantworten, abhängig von den persönlichen Präferenzen und Zielen." Ich amüsiere mich heute noch über die tiefere Bedeutung dieses Satzes!

Dabei gibt das Genossenschaftsgesetz zwingend vor, dass eine Genossenschaft ihre Mitglieder zu fördern habe. So stellt sich das auch in der Mitgliederwerbung der Genossenschaftsbanken dar. Aber offensichtlich verzichten die Vorstände der Genossenschaften bewusst auf jede Förderung, denn sonst müsste sie ja stattfinden. Die Mitglieder, meist deutlich in der Minderzahl gegenüber den normalen Kunden der V+R Banken, bekommen die gleichen Konditionen wie die Nicht-Mitglieder. Aber nur sie, die Mitglieder, verlieren Geld beim möglichen Zusammenbruch einer V+R Bank, sie müssen dann den Nicht-Mitgliedern deren Einlagen garantieren. Ohne jeden eigenen Nutzen. Ich finde das ist heroisch!

Weiterhin befürwortet der Genossenschaftsverband Bayern, so Zepf, weitere Fusionen der selbstständigen 31 Volks- und Raiffeisenbanken in der Oberpfalz. Warum auch nicht. Größe bietet Rationalisierungspotential und Kosteneffizienz, das ist das Gebot der Stunde. Aber ist das auch von Vorteil für die Genossen? Vorteile sind nur für die Vorstände erkennbar. Einige "frei gewählte" Vertreter lassen sich leichter an der kurzen Leine halten als 231 000 interessierte Einzelmitglieder. Für die einzelnen Genossen kann ich keinen Vorteil erkennen. Für die Genossen wäre es von Vorteil, wenn der Genossenschaftsverband die Umwandlung der Genossenschaften in Genossenschaftliche Aktiengesellschaften befürworten würde, wie es z.B. die Raiffeisenbank Plankstetten AG schon vor Jahren vorgemacht hat. Für die Genossen wäre es ein Gewinn, sie wären dann echte Eigentümer ihrer Bank. Beim Verkauf ihrer Anteile würde sich der Wert ihrer Bank auch für sie realisieren. Sie hätten dann auch echtes Interesse daran, die Politik ihrer Bank zu verfolgen und gegebenenfalls zu beeinflussen. Jeder Sachkundige wird das bestätigen.

Aber was macht der Genossenschaftsverband nach einer Umwandlung der V+R-Banken eG in V+R Banken AG? Mit den Beitragstropfen aus den dann übrigbleibenden Heizöleinkaufsgenossenschaften u. a. kann sich der Apparat nicht finanzieren. Die magere Dividende ist nur Verzinsung des Geschäftsanteils, das ist keine genossenschaftliche Förderung!

Herbert Simon,92272 Freudenberg
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