Bayerischer Van-Sinn
Fahrbericht BMW 220i Gran Tourer M Sport

BMW und eine Großraumlimousine? Und dann auch noch mit Frontantrieb? Das ist für Puristen der sportlichen Marke zwar (fast) nicht vorstellbar, für die Münchner Autobauer aber der gebotene Van-Sinn. Auf dem Sektor haben die Bayern fast schon sträflich lange dem Wettbewerb freie Bahn gelassen. Nun geben sie mächtig Gas.

Dem Active Tourer hat BMW jetzt eine deutlich größere Version zur Seite gestellt, die folglich auch mit dem Zusatz Gran firmieren darf. Obwohl auf gleicher Plattform gebaut, streckt sich die Karosserie um satte 21 Zentimeter. Und der um elf Zentimeter gewachsene Radstand bringt reichlich Raum auf allen Plätzen.

Derer gibt es (gegen Aufpreis) bis zu sieben Stück, ausreichend also für eine ganze Handball-Mannschaft. Unser Testwagen begnügt sich mit der üblichen 5er Konfiguration, dankt es dafür mit einem Ladeabteil, das das Gepäck einer Großfamilie schluckt und dank der einzeln umlegbaren Rückbanklehnen ausgesprochen variabel zu gestalten ist. Beim schlüssellosen Komfort-Zugang reicht ein Fußwischer, um die riesige Heckklappe nach oben schwingen zu lassen. Die Ladekante ist niedrig, so dass sich auch schweres Gepäck mühelos verstauen lässt.

Hinten finden zwei Personen stets eine angenehme Sitzposition. Den schmalen Mittelsitz mag man auch der Schwiegermutter nicht zumuten, zumal der Sicherheitsgurt dafür gut im Dachhimmel versteckt ist. Die Rückbank lässt sich um 13 Zentimeter verschieben, die Lehnenneigung verstellen. Der Fahrer findet auf dem sportlich-straffen (Leder-)Gestühl einen ausgesprochen angenehmen Arbeitsplatz. Alles, was zu bedienen ist, liegt günstig zur Hand. Und die Bord-Elektronik sorgt für alles Wissenswerte rund um das Fahrzeug und seine Umgebung. Wenn auch zumeist nur gegen entsprechende Entlohnung aus der doch recht langen Aufpreisliste.

Sehr zu empfehlen ist das Head-up-Display, das alle wichtigen Informationen auf ein kleines ausfahrbares Plexiglas vor der eigentlichen Windschutzscheibe spiegelt. Jede Menge Assistenten schauen voraus und zurück, parken ein und bremsen, halten die Geschwindigkeit konstant, erkennen Hindernisse und bremsen, wenn es denn sein muss, auch von selbst. Sie wählen die schnellste Route zum Ziel und rechnen dabei in Echtzeit auch Staus und den Innerortsverkehr mit ein. Und sie stellen per Knopfdruck Motor und Dämpfer nach Gusto des Fahrers ein.

Wir wählten, trotz Sportfahrwerk, den besonders wirtschaftlichen Eco-Modus. Da geht alles ein bisschen gemächlicher vonstatten, schaltet die famose Achtgang-Automatik noch einen (Drehzahl-)Hauch früher und lässt den Bayern "segeln". Dafür errechnet der Bordcomputer Spitzenwerte in Sachen Sparsamkeit.

Ohne dass der Fahrspaß groß darunter leidet. Und es stachelt ja etwas den Ehrgeiz an, wenn die Reichweite bis zur nächsten Tankfüllung plötzlich um 185 Kilometer wächst. Allerdings: Wer sich für den 190-PS-Turbo-Benziner entscheidet und noch über 5000 Euro allein für die sportliche M-Version ausgibt, wird wohl kaum die geldbeutelschonende Fortbewegung im Auge haben. Und für Sparfüchse oder junge Familien ist der Münchner Raumgleiter auch nicht unbedingt die erste Wahl. Aber es gibt ja noch ein paar andere Motoren. Und den zwar kleineren, aber günstigeren BMW Active Tourer.
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