Bedarfsplanung an Realität vorbei

"Kassenpatienten verzweifelt: Nordoberpfalz fachärztlich in Not":

Der Kommentar beklagt lange Wartezeiten bei Fachärzten. Hilflos seien die Versuche, mehr Fachärzte für die ländlichen Regionen zu gewinnen. Dies liegt aber nicht daran, dass sich keine Fachärzte in der Oberpfalz niederlassen wollen, sondern an der sogenannten Bedarfsplanung. Seit 1993 - der damalige Bundesgesundheitsminister hieß Horst Seehofer - gibt es eine Niederlassungssperre.

In Gebieten, die als überversorgt gelten, darf sich kein neuer Arzt mehr niederlassen. Und man höre und staune: Nach der geltenden Bedarfsplanung, die festlegt, wie viele Ärzte einer Fachrichtung pro Einwohnerzahl benötigt werden, ist fast die gesamte Oberpfalz mit Haus- und Fachärzten überversorgt. Somit darf sich in diesen Gebieten kein Arzt neu niederlassen. Die derzeit gültigen Zahlen sind leider veraltet und haben mit dem tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung herzlich wenig zu tun. Aber sie sind nun mal Grundlage neuer Praxisgründungen. Nach dem jüngst verabschiedeten Versorgungsstärkungs-Gesetz ist sogar vorgesehen, dass Arztsitze, wenn in einer Region eine angebliche Überversorgung über 140 Prozent besteht (im ursprünglichen Gesetzentwurf war von nur 110 Prozent die Rede) aufgekauft werden sollen, sobald der bisherige Praxisinhaber in Ruhestand geht. So sieht also das Rezept der Bundesregierung zur Bekämpfung des Ärztemangels aus.

Was das Thema Facharzttermine angeht, sollten die Patienten aber nicht besorgt sein: Aufgrund der sehr guten Kooperation von Haus- und Fachärzten in der Ärzteverbünden Oberpfalz Nord und Mitte ist es in dringenden Fällen keine Problem, einen baldigen Facharzttermin zu erhalten. In den meisten Fällen genügt ein kurzes Telefonat zwischen Haus- und Facharzt.

Dr. Dietrich Schreyer Stellvertretender Vorsitzender des Ärzteverbundes Oberpfalz Mitte 92224 Amberg
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