Bedenklicher Trend aus den USA
Hysterie um Grusel-Clowns

Nicht witzig: Gruselige Clowns terrorisieren die USA. Ob eine reale Gefahr von ihnen ausgeht, ist unklar. Es gab auch schon Fälle in Europa. Bild: dpa
 
Ronald McDonald, das rothaarige Maskottchen der Fast-Food-Kette McDonalds. Bild: dpa

Sie kommen im Dunkeln: Menschen in Clownskostümen treiben derzeit ihr Unwesen in den USA. Videos zeigen bedrohliche Szenen wie aus Horrorfilmen. Die Angst vorm Clown geht um.

Washington. Ein Blick aus dem Fenster: Dort steht ein Clown hinter dem Gartenzaun im finsteren Wald und gräbt mit einem Spaten ein Loch. Der Bildausschnitt schwenkt unruhig auf den Boden, folgt nervösen Schritten ins Freie, dem Clown entgegen. Man hört einen Schrei. Der Clown hält inne, dreht seinen Kopf langsam in Richtung Kamera - und läuft darauf zu. Das Bild wackelt und bricht ab. Was danach passiert, bleibt offen.

Gefährlich oder nicht?


Was sich liest, wie das Drehbuch eines Horrorfilms, beschreibt eines von vielen Amateurvideos aus den USA, die seit mehreren Wochen auf Twitter kursieren. Sie alle zeigen Menschen in Clownkostümen, die unerwartet an finsteren Orten auftauchen, an Friedhöfen und abgelegenen Straßen. Sie gruseln die Menschen an Schulen und Universitäten, verbreiten Angst in der Bevölkerung.

Kurz vor Halloween (31. Oktober) ist die Unsicherheit groß - viele Schüler würden auf keinen Fall um die Häuser ziehen, sie hätten zu viel Angst. Das Phänomen wirft einen Schatten auf das Spektakel: "Die Polizei von Roselle Park bittet Eltern, ihre Kinder an Halloween keine Clownkostüme tragen zu lassen", schreibt etwa eine Behörde in New Jersey auf Facebook. Was davon inszeniert ist und was real, lässt sich schwer sagen. Manche Kinder erfänden Geschichten über bösartige Clowns auf dem Schulweg, berichtet die Polizei. Trittbrettfahrer nutzen die Verunsicherung aus. Die Verkäufe von Clownkostümen sollen um rund 300 Prozent gestiegen sein.

Auch in Großbritannien haben Unbekannte in Clownkostümen zahlreiche Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Die Polizei in der Region Thames Valley westlich von London berichtete von 14 gemeldeten Vorfällen am Wochenende. Ein mit einem Messer bewaffneter Mann im Clownkostüm war am Freitag vier Kindern auf dem Schulweg gefolgt, wie die Polizei in Durham mitteilte. "Wir glauben, das ist Teil einer viel größeren Posse, die sich gerade in den USA und in Teilen des Vereinigten Königreichs ausbreitet", sagte Polizeiwachtmeister Mel Sutherland.

Geschichten im Netz


Ob blöder Streich oder ernsthafte Gefahr, ist auch in den USA auf den ersten Blick kaum ersichtlich. Es gab Überfälle von Menschen in Clownkostümen. Eine High-School in Maryland wurde abgeriegelt, nachdem jemand auf einem Instagram-Account Drohungen in Clownmaske gepostet hatte. Solche Geschichten verbreiten sich im Internet rasend schnell. Twitter-Nutzer posten fast im Minutentakt Clown-Sichtungen. Ein Video zeigt, wie Studenten der Universität in Oregon nachts mit Fackeln suchend über den Campus ziehen. Für viele ist es ein großer Spaß, für manche ein wahrgewordener Alptraum.

Für die Angst vor Clowns gibt es übrigens einen Fachbegriff: Coulrophobie. Doch warum haben Menschen Angst vor den Gestalten in bunten Kleidern mit maskierten Gesichtern? Der Psychologe Frank McAndrew vom Knox College (Illinois) hat eine Antwort. In einer Studie mit 1341 Teilnehmern suchte er nach Merkmalen, die einen Menschen gruselig wirken lassen. Gruselfaktor besitzt demnach, wer in unpassenden Momenten lacht, komische Kleidung trägt, dunkle Augenringe und blasse Haut hat. Weiteres Indiz sei zu viel oder zu wenig zur Schau gestellte Emotion. All diese Eigenschaften vereinen Clowns in sich, sagt McAndrew: "Sie sind schadenfroh und unberechenbar, man kann nicht sagen, wer sie wirklich sind oder was sie wirklich fühlen." Dass die Vorstellung vom Clown als bösem Psychopathen heute so verbreitet ist, liege auch am Fall des Massenmörders John Wayne Gacy: Der Straßenclown tötete in den 1970er Jahren 33 Jungen und wurde 1994 hingerichtet.

Horrorautor appelliert


Das Übrige erledigt Hollywood etwa mit dem bedrohlichen Joker aus "Batman". 2017 soll eine Neuverfilmung des Bestsellers "Es" von Stephen King ins Kino kommen. Mit Pennywise schuf dieser den Archetyp des "Killer-Clowns". King kürzlich auf Twitter: "Zeit, die Clown-Hysterie herunterzufahren - die meisten Clowns sind gut, erheitern Kinder und bringen Leute zum Lachen."

Pause für McDonalds-MaskottchenDie Fast-Food-Kette McDonalds zieht ihr Maskottchen in den USA wegen einer Clownhysterie für einige Zeit weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Der rothaarige Clown solle vorerst nur ausgewählte Einsätze haben, berichten US-Medien. "Das heißt nicht, dass es keine Auftritte von Ronald McDonald mehr geben wird, sondern dass wir rücksichtsvoll sind, was seine Teilnahme an verschiedenen Events derzeit angeht", sagte Unternehmenssprecherin Terri Hickey. Grund dafür sei eine Welle gruseliger Clowns, die seit Wochen für Unruhe sorgen. (dpa)
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