Bedeutung der Wasserkraft-Kleinstanlagen überschätzt?

Zum Bericht "Auf Wasserkraft nicht verzichten":

Nach diesem Bericht hat Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) kein Verständnis dafür, dass Umweltaktivisten die Wasserkraft als neues Feindbild in den Fokus genommen haben. Die Vils-Allianz setzt sich, in Übereinstimmung mit der "Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, für die Verbesserung des ökologischen Zustands sämtlicher Fließgewässer des Landkreises Amberg-Sulzbach ein. Was berechtigt eigentlich dazu, diesen Einsatz abzuwerten?

Nur durch gemeinsame Bemühungen aller Betroffenen können bestehende Mängel bei Bächen und Flüssen beseitigt werden. Wird ein Beteiligter dabei als Feind betrachtet, sind kommende Gespräche schon negativ vorbelastet.

Kritisch ist auch die Anmerkung des Vorsitzenden des Landesverbands Bayerischer Wasserkraftwerke, Hans-Peter Lang, zu sehen: 4000 Anlagen mit einer Leistung unter 100 Kilowatt würden als verlässliche, speicherbare Energiequelle betrieben.

3593 Kleinstanlagen (das sind 85 Prozent aller bayerischen Wasserkraftanlagen) mit der genannten Leistung erzeugen gerade mal 0,05 Prozent des Stromverbrauchs in Bayern. Auf diese Energiereserve kann man sich bestimmt nicht verlassen.

Der Beitrag der "kleinen Wasserkraft" zur Energiewende wird erheblich überschätzt. Außerdem hat diese Wasserkraft einen sehr hohen Preis: Wasserläufe wurden begradigt und kanalisiert. Die bestehenden 3593 Stauanlagen sind dafür verantwortlich, dass der Fischaufstieg und -abstieg in den Gewässern blockiert oder verhindert wird. 77 Prozent der heimischen Fischarten stehen in der Roten Liste gefährdeter Tiere in Bayern. Zahlreiche Fische werden in den Turbinen getötet oder verletzt. Kann man vor diesem Hintergrund noch von umweltfreundlichem Strom aus Wasserkraft sprechen? Auch Verbesserungsprojekte zeigen, dass weiterhin vier von fünf Fischen durch die Anlage geschwemmt werden.

Damit unsere Oberflächengewässer tatsächlich einen guten ökologischen Zustand erreichen und die Situation für die bedrohten Fischarten erheblich verbessert wird, muss mehr geschehen als eine finanzielle Förderung kleiner Wasserkraftanlagen.

Peter Zahn, Sulzbach-Rosenberg

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