Bei Berufswahl nicht nur nach Ausbildungsvergütung gehen
Geld ist nicht alles

Seit Jahren stehen dieselben Ausbildungsberufe bei Jugendlichen hoch im Kurs. Dazu zählen etwa der Büro- und der Industriekaufmann. In diesen Berufen ist die Ausbildungsvergütung vergleichsweise hoch, und die Arbeitszeiten sind angenehm. Für viele seien diese zwei Punkte ausschlaggebend, sagt Jürgen Wursthorn, Sprecher der Bundesarbeitsagentur in Nürnberg. Das sei zwar nachvollziehbar - häufig jedoch zu kurz gedacht.

"Wir wünschen uns bei der Berufswahl mehr Reflexion." Statt die eigenen Stärken gründlich zu analysieren, um den passenden Beruf zu finden, legen sich viele Schüler vorschnell fest. Manche schielen auf Arbeitszeiten und Vergütung und stellen später fest, dass das die falschen Prioritäten waren und sie im falschen Beruf gelandet sind. Klarheit über die eigenen Ziele können etwa Gespräche mit Berufsberatern der Arbeitsagenturen, Lehrern und Eltern bringen.

Wichtig sei erst einmal nur, sich mit diesen grundsätzlichen Fragen auseinanderzusetzen und einen eigenen Weg zu finden, statt mit der Masse mitzuschwimmen. Gerade bei sehr beliebten Berufen führe für schwächere Jugendliche häufig außerdem gar kein Weg daran vorbei, sich möglichst früh Alternativen zu überlegen.

Dass Jugendliche sich für dieselben Berufe interessieren, liege teilweise aber auch an den Eltern. "Wir sehen ganz oft, dass Eltern den Beruf, den sie selbst gewählt haben, den Kindern sehr ans Herz legen", erzählt Wursthorn. Sie wollen den Nachwuchs so unterstützen. Sie kennen die Branche und können Tipps geben. Möglicherweise haben sie auch Beziehungen.

Nicht selten geht das Drängen jedoch an den Interessen oder Talenten der Jugendlichen vorbei. Auch wenn es schwerfällt, sollten Eltern ihre Kinder selbst eine Entscheidung treffen lassen. Entpuppt sich diese als falsch, können Jugendliche sich nach der Ausbildung immer noch umorientieren. Viele Erziehungsberechtigte seien außerdem über neuere Berufe nur schlecht informiert und kennen sie mitunter gar nicht. Ihre Beratung greift deshalb häufig zu kurz.

Bevor Eltern ihrem Nachwuchs Empfehlungen geben, sollten sie allerdings selbst gründlich recherchieren und sich beispielsweise in der Arbeitsagentur ausführlich beraten lassen. (dpa/tmn)
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