Bei Einbrüchen kühlen Kopf bewahren und richtig reagieren
Flüchten und nicht provozieren

(dpa/tmn) Eine Horrorvorstellung: Man liegt im Bett und hört plötzlich ein ungewohntes Geräusch. Dann Schritte. Ein Einbrecher ist im Haus. 2014 registrierte die Polizei mehr als 150 000 Einbruchsfälle in Deutschland, gut alle drei Minuten wurde vergangenes Jahr also irgendwo eingebrochen.

Auch wenn es nicht leicht sein wird: Wer in so eine Stresssituation gerät, muss ruhig und überlegt handeln. "Konfrontationen sollte man auf jeden Fall vermeiden", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weisser Ring in Mainz. Sie erläutert das richtige Verhalten.

Panik ist oft die erste Reaktion, wenn man Einbrecher in seinen eigenen vier Wänden registriert. Was sollte man nach diesem Anfangsschock machen?

Biwer: Wenn es geht, verlässt man Haus oder Wohnung. Erst draußen wird die Polizei gerufen. Wer kein Handy dabei hat, klingelt bei den Nachbarn. Dort kann man die Polizei rufen und auch abwarten, bis die Beamten eintreffen. Kommt man nach Hause und sieht eine aufgebrochene Tür, geht man lieber nicht in die Wohnung. Denn der Einbrecher kann noch drin sein.

Was ist, wenn man nicht flüchten kann?

Biwer: Eine Konfrontation sollte man auf jeden Fall vermeiden. Wenn möglich, schließt man sich in das Zimmer ein, in dem man gerade ist.

Angenommen, auch das hilft nicht und man begegnet dem Einbrecher. Was nun?

Biwer: Keine Panik, nicht provozieren und keinesfalls tätlich werden. Die eigene Sicherheit hat Vorrang. Einbrecher gehen meist davon aus, dass niemand da ist. Treffen sie wider Erwarten jemanden an, flüchten sie in der Regel direkt. In so einem Fall sollte man nicht hinterher rennen. Das bringt einen nur in Gefahr. Man versucht besser, sich auffällige Merkmale einzuprägen. Eventuell auch den Dialekt oder das Fluchtfahrzeug, falls man das erkennt.

Wie verhält man sich, wenn der Einbrecher weg ist?

Biwer: Am Tatort darf nichts verändert werden, damit die Polizei alle Spuren sichern kann. Manche haben den Reflex, direkt aufräumen zu wollen. Das geht erstmal nicht. Helfen kann man der Polizei mit genauen Auskünften über geklaute Gegenstände.

Nach einem Einbruch sind viele Menschen verunsichert. Wie findet man zur Normalität zurück?

Biwer: Zunächst kann man sein Heim mit recht einfachen Mitteln einbruchssicherer machen. Dazu zählen abschließbare Fenstergriffe, Einbruchschutz am Fenster, Sperrbügel an der Haustür. Das steigert nach Einbrüchen die Sicherheit - gefühlt und faktisch.

Bei einigen Einbruchsopfern reichen solche Maßnahmen nicht aus. Sie leiden seelisch enorm. Was kann man dagegen tun?

Biwer: Das ist eine normale Reaktion, denn es wurde in die intimste Privatsphäre eingedrungen. Hier kann der Gang zum Therapeuten helfen, mit dem man an den psychischen Belastungen arbeitet. Darunter leidet jedes fünfte bis sechste Einbruchsopfer.

Jeder achte Betroffene zieht sogar um, weil sein Sicherheitsempfinden zu nachhaltig gestört ist.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mainz (186)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.