Bei Kündigung des Ausbildungsverhältnisses stets fachlichen Rat einholen
Streng reglementiert

Viele Schulabgänger haben zum 1. August 2015 ihr Ausbildungsverhältnis begonnen. Für viele ist es der Traumjob, den sie gefunden haben. Andere stellen sich nach einer gewissen Zeit vielleicht die Frage, ob die Ausbildungsrichtung, die sie eingeschlagen haben, wirklich das Richtige für sie ist.

Auch für den Arbeitgeber kann sich eine Situation ergeben, aus der heraus er das Berufsausbildungsverhältnis beenden will. Es kann somit immer einmal vorkommen, dass ein Ausbildungsverhältnis beendet werden muss. Zum Beispiel, wenn ein Azubi unzufrieden mit seiner Ausbildung ist und lieber etwas anderes machen möchte, oder im umgekehrten Fall auch dann, wenn er sich in der Ausbildung etwas zuschulden kommen lassen hat.

Die Voraussetzungen für die Kündigung von Ausbildungsverhältnissen sind durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Rechtsprechung streng reglementiert. Die Möglichkeiten sind je nach Fortschritt des Ausbildungsverhältnisses unterschiedlich.

In der Probezeit, die im Berufsausbildungsvertrag vereinbart wird und zwischen einem und vier Monaten betragen kann, gelten besondere, stark erleichterte Kündigungsbedingungen: Das Ausbildungsverhältnis kann jederzeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist (§ 22 Berufsbildungsgesetz) sowohl vom Auszubildenden, als auch vom Ausbildungsbetrieb gekündigt werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Sie muss dem Kündigungsempfänger noch vor Ende der Probezeit zugegangen sein.

Kündigt der minderjährige Auszubildende, so benötigt er die vorherige Einwilligung des gesetzlichen Vertreters. Kündigt der Betrieb einem minderjährigen Auszubildenden, so muss die Kündigungserklärung gegenüber dem gesetzlichen Vertreter abgegeben werden.

Nach Ablauf der Probezeit kann ein Ausbildungsverhältnis vonseiten des Azubis mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen gekündigt werden, zum Beispiel wenn eine angefangene Ausbildung beendet werden soll oder der Azubi sich für einen anderen Beruf entschieden hat.

Im Übrigen ist eine Kündigung des Ausbildungsverhältnisses nur aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist möglich. Ein wichtiger Grund ist immer dann gegeben, wenn dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsparteien die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit nicht zuzumuten ist.

Schwere Verstöße gegen den Ausbildungsvertrag durch den Azubi sind beispielsweise mehrfaches Schwänzen der Berufsschule, laufendes Zuspätkommen oder Diebstahl. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden (Urteil vom 12.02 2015 - 6 AZR 845/13), dass sogar der dringende Verdacht einer schweren Pflichtverletzung die außerordentliche Kündigung eines Ausbildungsvertrages rechtfertigen kann. In dem zugrunde liegenden Fall ging es um die fristlose Kündigung eines Bankkaufmann-Azubis, nachdem es zu Kassenfehlbeständen gekommen war.

Die Kündigung muss schriftlich und unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgen, sonst ist sie unwirksam. Außerdem dürfen die der Kündigung zugrunde liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten nicht mehr als zwei Wochen lang bekannt sein. Im Kündigungsfalle empfiehlt sich daher immer, sich fachkundigen Rat einzuholen.
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