Bei Künstlern und Kitesurfern

Friesland ist die Region östlich von Ostfriesland. Ganz logisch klingt das nicht, stimmt aber. Die Autos haben hier das Kennzeichen "FRI". Es gibt einige ganz nette Badeorte. Einer davon ist berühmt für seine Künstler und seinen Rhabarberkuchen.

Ostfriesland kennt jeder, da kommen die Witze her und Otto Waalkes. Aber Friesland? Wo ist das denn? Ausgerechnet östlich von Ostfriesland - kein Witz. Der gleichnamige Landkreis in Niedersachsen hat das Autokennzeichen "FRI". Die Kreisstadt heißt Jever und ist nicht ganz so bekannt wie das Bier, das dort gebraut wird, aber genauso friesisch herb. Man kann in Friesland einfach im Strandkorb sitzen und Fischbrötchen essen. Muss man aber nicht, es gibt auch einiges anzugucken. Eine Friesland-Tour mit vier Stationen:

Ein guter Start ist Dangast. Das Nordseebad liegt direkt am Jadebusen, nördlich von Varel. Es hat einen kleinen Hafen, wo man aufs Wasser gucken kann, einen Strand, der gar nicht übel ist, und das "Alte Kurhaus", eine Institution nicht nur in Sachen Rhabarberkuchen.

Expressionistische Maler wie Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff hatten Dangast schon vor dem Ersten Weltkrieg für sich entdeckt. Seitdem zog es immer wieder Künstler hierher, einige Schüler von Joseph Beuys zum Beispiel. Am Strand vor dem Kurhaus sind manche ihrer Kunstwerke zu sehen. Ein überdimensionaler Granit-Phallus gehört dazu. Der Künstler und selbst ernannte Wikingerkaiser Butjatha hat sich einen "Kaiserstuhl" an die Wattenmeerküste gestellt, sein Künstlerkollege Anatol eine Figur namens Jade im Watt platziert.

Wer sich intensiver mit den Künstlern beschäftigen will, kann dem Dangaster Kunstpfad folgen oder dem Skulpturenpfad rund um den Jadebusen. An der Sielstraße steht das ehemalige Wohnhaus von Franz Radziwill, das heute ein Museum ist.

Neustadtgödens gilt als das schönste Dorf Frieslands. Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall. Und ungewöhnliche Führungen gibt es hier auch. Sie beginnen am Landrichterhaus in der Brückstraße, das heute ein Museum zur Dorfgeschichte beherbergt. Dort wartet schon Dirk Arnskötter. Er hat hohe Lederstiefel an, hält einen Spaten zwischen den Händen und trägt zum Vollbart eine Schiffermütze. So oder jedenfalls so ähnlich waren auch Koyer gekleidet, wie die Deichbauarbeiter hier an der Küste hießen, die mit ihrem Einsatz dafür sorgten, dass das Land nicht vom Nordseewasser überspült wurde und die Menschen vor Sturmfluten geschützt blieben.

Arnskötter weiß eine Menge über Deichbau, aber er erzählt bei seinem Dorfbummel auch viel über das Leben hinter den Deichen. Über die Zunftfahnen an den Häusern zum Beispiel, die in der Frühen Neuzeit den Beruf ihrer Bewohner anzeigten, über das Kaffeekannenmuseum mit Hunderten von Ausstellungsstücken, über die Blaudruckfärberei und über die Staustraße, auf der Händler ehemals Markt hielten und Kaufleute ihre Waren stapelten. In der Kneipe an deren Ende wurden die Verträge begossen.

Wasserwandern

In Altmarienhausen bei Sande hatte im 16. Jahrhundert die Landesherrin Maria von Jever ein Lustschloss. Zu sehen ist davon nichts mehr - bis auf den Turm. Die wenigsten Besucher kommen allerdings nur seinetwegen. Aber eine Paddel-Pedal-Station ist gleich um die Ecke, wo Wasserwanderer zu Touren auf dem Ems-Jade-Kanal starten können. Und gleich neben dem Turm hat das Küsteum sein Zuhause, ein Museum der etwas anderen Art, das immer am Wochenende geöffnet ist. Der Eintritt ist frei. Im Erdgeschoss gibt es eine Ausstellung zum Deichbau an der Küste - daher der Name.

Nordseefeeling

In Friesland gibt es gleich mehrere klassische Badeorte. Hooksiel gehört dazu und ganz im Norden Schillig. "Great Barrier Reef 14 693 Kilometer" steht hier auf einem Wegweiser, gleich daneben "Wattenmeer 0,2 Kilometer". Und das stimmt auch: Der breite Strand liegt direkt vor einem und dahinter das Watt. Schillig bietet schon typisches Nordseeurlaubsfeeling. Am Wasser sind Dutzende von Spaziergängern unterwegs, die jüngsten Gäste bauen Sandburgen mit Papa und Mama, andere lassen Drachen steigen, spielen Minigolf oder versuchen sich am Beachvolleyballnetz. Aber Minigolfspielen kann man fast überall anderswo auch. Wattwandern nicht. Hille Behrens-Focke steht mit Grabegabel und Kescher ausgerüstet an der Strandkasse am Sommerdeich und hat die Schuhe schon ausgezogen. Die Wattführerin empfiehlt, am besten barfuß mitzukommen. Bei ihrer Tour geht es in zwei Stunden übers Watt bis ans Wasser und zurück. Zu sehen gibt es dabei einiges: jede Menge Herzmuscheln in verschiedenen Farben zum Beispiel.
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