Bei Organspende keine Kosten für Hinterbliebene

Zum Thema Organspenden:

In einer Situation, in der ein Mensch schwer erkrankt auf die Unterstützung von Geräten beispielsweise zur Atemhilfe auf einer Intensivstation angewiesen ist, bestehen immer große Ängste und Sorgen. Eine im Raum stehende Feststellung des irreversiblen Hirnfunktions-Ausfalls und der damit verbundene Tod des Patienten belasten die Angehörigen, aber auch die Ärzte und Pflegenden eines solchen Patienten zusätzlich.

Wir sprechen nach der Feststellung des Todes von einem Verstorbenen - nicht mehr von einem Patienten. Die Aussage, dass die Angehörigen etwaige Kosten für eine Weiterbehandlung tragen müssten, ist schlicht falsch. Darüber hinaus ist eine über den festgestellten irreversiblen Verlust der Hirnfunktion und die damit verbundene Feststellung des Todes hinausgehende Aufrechterhaltung der Organfunktionen nach dem hierzulande gültigen Rechtsverständnis unzulässig. Das bedeutet, es fallen keinerlei Kosten für Hinterbliebene an.

Eine Ausnahme ist gegeben, wenn eine Zustimmung zur Organspende vorliegt. In diesem Fall wird der Kreislauf für wenige Stunden künstlich aufrechterhalten, um die gewünschte Organspende zu ermöglichen. Die Aufwendungen des Krankenhauses zur Durchführung der Organentnahme werden aus einem nicht den Krankenkassen zugeordneten Fonds erstattet. Mit der Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Hirnfunktionen ist medizinisch und juristisch der Tod des Menschen festgestellt - völlig unabhängig von den Wünschen der Angehörigen oder einer möglichen Organspende. Sie dient vielmehr dazu, eine etwaige medizinisch sinnlose Therapie zu beenden. Sie ist allerdings auch eine zwingende Voraussetzung vor einer Organspende.

Selbst die christlichen Kirchen äußern sich zu diesem Thema ganz eindeutig. Jeder verantwortungsbewusste Mensch sollte sich zu Lebzeiten Gedanken darüber machen, ob er im Falle seines Todes Organe spendet. Dies ist eine völlig freie Entscheidung, für die sich niemand rechtfertigen muss. Ich finde es schade, dass in einem Leserbrief unreflektiert über die Organspende geurteilt wird. Das ist weder der berechtigten Diskussion um Transparenz, noch dem Wunsch nach Sicherheit für potenzielle Organspender zuträglich.

Andreas Faltlhauser, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, Transplantations-beauftragter Arzt der Kliniken Nordoberpfalz AG 92637 Weiden
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