Beim Präsidium mehr Personal anfordern
Briefe an die Redaktion

Zum Bericht über die Sitzung des Stadtrats, in der die Situation des Kontaktbeamten in Mitterteich thematisiert worden ist:

"Endlich spricht ein Stadtrat den unzumutbaren Zustand wegen der Fehlzeiten des Kontaktbeamten hier in Mitterteich an. Laut Aussage des Kontaktbeamten entstehen die Fehlzeiten deshalb, weil er von der Dienststelle Waldsassen auch zum Schichtdienst eingeteilt wird und nach einer Nachtschicht frei hat. Dies ist auch so in Ordnung. Nur, dann ist die Dienststelle auch verpflichtet, einen Ersatz für Mitterteich zu stellen.

Selbst der oberste Dienstherr von Mitterteich weist darauf hin, dass die Präsenz des Kontaktbeamten ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit und Ordnung ist. Die Aussage von Hauptkommissar Johann Brandl, dass es wegen Krankheit oder Urlaub zu Personalengpässen kommt, kann nicht hingenommen werden. Bei Unterbesetzung muss beim Präsidium Regensburg mehr Personal angefordert werden. Wir hier in der nördlichen Oberpfalz haben denselben Anspruch auf Polizeipräsenz wie die im übrigen Bayern.

Es bedarf hier einer dringenden Reform der Planstellen und Diensteinteilung. Es kann nicht sein, dass verstärkt Polizeibeamte in Oberbayern bzw. in München zum Einsatz kommen. Die meisten Polizisten werden am Wochenende zu den Fußballspielen in den Stadien benötigt. Und hier muss man ansetzen. Fußballstadien sind Eigentum von Vereinen, Aktiengesellschaften, privaten Personen usw., aber keine öffentliche Einrichtungen. Deshalb ist für die Sicherheit und Ordnung nicht die Polizei, sondern sind die Betreiber verantwortlich. Ein privater Sicherheitsdienst kann diese Aufgabe übernehmen.

Damit werden Personal und Überstunden gespart und die Kosten werden drastisch gesenkt. Die Betreiber der Stadien können und müssen sich den Sicherheitsdienst selbst leisten, wenn man schon wieder liest, dass sich der FC Bayern München für die Saison 2015/2016 Spielereinkäufe bis zu 100 Millionen Euro leistet. Das ist auch gerecht gegenüber den anderen Sportveranstaltungen. Dort bedarf es keines Polizeieinsatzes.

Ich hoffe, dass die Verantwortlichen in Waldsassen endlich etwas gegen den Personalmangel tun und jetzt aktiv werden. Auch die Aussage, in Wiesau gäbe es auch keinen Kontaktbeamten, ist nicht hilfreich."

Karl NeidMitterteich

Keimzelle eines föderalen Europas

Zu den Bestrebungen, das Stiftland als "Unesco-Weltkulturerbe" zu etablieren:

"Im Jahre 1115 wurden durch die Gründerväter des Generalkapitels des Zisterzienserordens im französischen Cîteaux die parlamentarischen Rahmenbedingungen für die zisterziensische Grundverfassung - "Carta Caritatis" - geschaffen und im September 1119, federführend durch den englischen Abt Stephan Harding, entsprechend verabschiedet.

Der Kenner der europäischen Rechtsgeschichte und ständige Berater des Internationalen Rates für Denkmalpflege der Unesco, Léon Pressouyre, beurteilte die zisterziensische Grundverfassung als "eine der revolutionärsten Strukturen des Mittelalters", die es verstand, "die Fallen des Zentralismus zu umgehen und den Risiken des Dirigismus und der Anarchie vorzubeugen". Der Rechtshistoriker Léon Moulin betrachtet das Generalkapitel von 1115 als "die erste supranationale Versammlung Europas. Und dies ein Jahrhundert vor der englischen ,Magna charta', dem Embryo einer parlamentarischen Regierungsform."

Diese revolutionäre Grundverfassung prägte über Jahrhunderte (formal 670 Jahre von 1133 bis 1803) das ansonsten nur dem Kaiser im Heiligen Römischen Reich unterstellte souveräne Stiftland (gefürstete Zisterze mit eigenem Stimmrecht im Reichstag) als altbayerische Keimzelle eines föderalen Europas in "göttlichen und menschlichen Dingen".

Im sonstigen Altbayern, das weitgehend durch vom Kaiser ermächtigte Herrscher (besonders den Wittelsbachern 1180 bis 1918) autoritär regiert wurde, begann die parlamentarischen Geschichte mit partiellen Mitspracherechten. Eine Verfassung in der Bedeutung der "Charta Caritatis" konnte aber erst Jahrhunderte später nach dem Ende der Wittelsbacher Monarchie 1918 mit der Bildung des Freistaates Bayern entstehen.

Hat damit die "Kultur- und Kurregion Stiftland" als souveräne altbayerische Keimzelle eines föderalen Europas mit der wahrscheinlich ältesten und längsten Verfassungskultur in Bayern nicht offensichtlich etwas zu feiern?"

Wolfgang HaasVorsitzenderStiftland Reha-Kurverein

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