Beipackzettel sorgt oft für Verunsicherung statt Aufklärung - Angaben genau lesen
Auf die Dosis kommt es an

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Jeder kennt diesen Satz aus der Werbung für alle Arten von Medikamenten. Doch auch der Beipackzettel gibt zu diesen Punkten Auskunft, doch der wirft oft mehr Fragen auf als er Antworten hinterlässt.

Auch von den möglichen Nebenwirkungen sollten sich Patienten nicht abschrecken lassen, rät Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda). Die Aufzählungen seien so lang, weil die Hersteller verpflichtet sind, jede bekannte Nebenwirkung aufzuführen.

Der Beipackzettel diene in erster Linie zur juristischen Absicherung, sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbands Bremen.

Verständlichkeit hat nicht oberste Priorität, Missverständnisse sind vorprogrammiert. Etwa bei Nebenwirkungen oder Faktoren, die gegen die Einnahme spreche.

Generell werde bei Arzneimitteln das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen. Bei einem Medikament gegen Krebs könnten als Nebenwirkung die Haare ausfallen, erläutert Sellerberg beispielhaft. Die Gefahr der Krankheit mache das Risiko tolerierbar. "Kopfschmerz-Mittel mit dieser Nebenwirkung würden nie auf den Markt kommen."

Auch bei den angegebenen Wahrscheinlichkeiten von Nebenwirkungen drohen Missverständnisse. Tritt eine Nebenwirkung "häufig" auf, heißt das nicht, dass die Chance dafür groß ist.

"In dem Fall betrifft das höchstens zehn Prozent der Patienten", sagt Sellerberg. Selten heiße, dass von 10 000 Menschen bis zu 10 betroffen sind.

Viele Senioren teilen große Tabletten, um sie besser schlucken zu können. Hier sollte zuvor im Beipackzettel nachgelesen werden, ob das geht. Denn nicht jede Tablette darf geteilt werden, selbst wenn sie eingekerbt ist.

"Mitunter haben diese eine Ummantelung, die vor bitterem Geschmack des Wirkstoffes schützt oder dafür sorgt, dass dieser nach und nach abgegeben wird", erläutert Sellerberg.

Seit 2013 findet sich auf manchen Beipackzetteln ein schwarzes Dreieck: Diese Mittel unterliegen einer besonderen Risikobewertung. Für Patienten heißt die Information, dass sie die Nebenwirkungen des Medikaments kritisch bewerten sollten. (dpa/tmn)
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