Benedikt XVI. trifft auf Franziskus
Begegnung zweier Päpste

Zwei Päpste treffen sich: Diese Konstellation gab es seit dem Rücktritt Benedikts nicht allzu oft. Zum 65. Priesterjubiläum war es wieder soweit. Und für seinen Nachfolger hat er auch eine Überraschung.

Rom. Gemeinsame öffentliche Auftritte sind selten, doch wenn sich Papst Franziskus und sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. treffen, geht es herzlich zu. So ist auch diesmal in der prachtvollen Sala Clementina im Vatikan. Anlass ist das 65. Priesterjubiläum des inzwischen 89-Jährigen früheren Kirchenoberhaupts. Viele Würdenträger sind am Dienstagmittag versammelt, als der argentinische Papst durch die große Pforte eintritt und strammen Schrittes auf den gebürtigen Bayern Joseph Ratzinger zuschreitet. Beide umarmen sich, wechseln ein paar Worte, die Gäste applaudieren.

Live überträgt das Vatikan-Fernsehen das seltene Jubiläum, bei dem aber ein wichtiger Protagonist fehlt. Benedikts älterer Bruder, Georg Ratzinger, mit dem er gemeinsam 1951 im Freisinger Mariendom die Priesterweihe von Kardinal Faulhaber empfangen hat. Doch der 92-Jährige frühere Leiter der Regensburger Domspatzen ist fast vollständig erblindet und hat Probleme mit dem Gehen. Er werde erst wieder Ende Juli für drei Wochen bei seinem Bruder in Rom sein, heißt es.

Benedikt, der 2013 zurückgetreten war und der erste Papst seit Jahrhunderten mit einer solchen Entscheidung war, saß bereits auf einem Sessel, seitlich von Franziskus, an dessen Seite Kurienerzbischof Georg Gänswein, der Privatsekretär Benedikts, Platz genommen hat.

Ruhe und Frieden verströmt


"Heiligkeit", mit dieser Anrede wandte sich Franziskus direkt an seinen Vorgänger. Der Argentinier (79) sagte, auch nach seinem Rücktritt gebe Benedikt ihm und der ganzen Kirche Kraft. Aus dem Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan, einem wahrlich "franziskanischen Ort", wo Benedikt seither lebt, ströme Ruhe, Frieden, Zuversicht und Reife. Und dann fügt der Papst, wie er es gern tut, eine Bemerkung hinzu, die vorher so nicht im Redemanuskript stand und lobt den "gesunden und fröhlichen Sinn für Humor" des Jubilars. Für seine herzlichen Worte bekommt Franziskus Beifall und im Gesicht Benedikts ist ein Lächeln deutlich zu erkennen.

Man merkt dem bald 90-Jährigen, der nicht mehr häufig in der Öffentlichkeit zu sehen ist, sein Alter schon an. Nach Ansprachen vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, und dem Kardinaldekan Angelo Sodano ergreift er selbst das Wort und wendet sich an seinen Nachfolger. "Danke vor allem Ihnen, Heiliger Vater!"

Direkt an Franziskus gewandt sagt er: "Mehr noch als in den Vatikanischen Gärten in all ihrer Schönheit ist doch Ihre Güte der Ort, wo ich wohne: Ich fühle mich beschützt." Beobachtern wie Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, fiel die besondere Herzlichkeit der Worte auf. "Danach gab es aber auch wieder ein richtiges Stück geistliche Theologie, wie man sie aus der Zeit von Papst Benedikt kannte."

Geschenk an Franziskus


In Erinnerung bleibt eine Geste Benedikts: Als Müller, ehemaliger Bischof von Regensburg, ihm Ausgaben eines eigens zu diesem Anlass herausgegebenen Buchs mit dessen Schriften zum Priestertum übergibt, greift Benedikt eines heraus und hält es in Richtung Franziskus. Der lässt sich nicht lange bitten und nimmt das Geschenk an und bedankt sich dafür. Hagenkord vermutet: "Vielleicht war es die spanische Ausgabe."

65 Jahre im Dienste GottesDer inzwischen 89-jährige frühere Papst Benedikt XVI., bürgerlich Joseph Ratzinger, war am 29. Juni 1951 im Freisinger Dom von Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht worden. Die Besonderheit: Sein ältere Bruder Georg (92), der bei der Feier im Vatikan nicht dabei war, empfing an diesem Tag ebenfalls die Weihe. Georg Ratzinger hatte sein Priesterjubiläum bereits am Wochenende in Regensburg in kleinem Kreis gefeiert. (dpa)
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