Berufe im Kampf gegen den Terror

Seit den Terroranschlägen in New York 2001 hat sich auch die Arbeit der deutschen Sicherheitsbehörden stark verändert. Gesucht sind Islamwissenschaftler und Informatiker. Doch nicht nur.

(dpa/tmn) In einem großen Besprechungsraum sind die Tische u-förmig zusammengeschoben. An jedem Platz steht ein Rechner und ein Telefon, an der Stirnseite hat eine große Welt- sowie eine Deutschlandkarte Platz. In dem Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin treffen sich Mitarbeiter aus 40 Behörden von Bund und Ländern, darunter Islamwissenschaftler, Polizisten, Informatiker, Kriminologen, Juristen und Übersetzer. Ihre Aufgabe: die Demokratie schützen.

Analytisches Denken

Hanna Schüller (Name geändert) ist eine von ihnen. Sie ist studierte Islamwissenschaftlerin und arbeitet im Gemeinsamen Internetzentrum in Berlin. "Nach dem Vorbild des GTAZ arbeiten dort Vertreter verschiedener Sicherheitsbehörden eng zusammen", erklärt sie. Nach ihrem Abschluss 2008 fand sie über ein gängiges Jobportal eine Stellenausschreibung vom Bundeskriminalamt (BKA). Das Amt suchte eine Islamwissenschaftlerin für die Internetauswertung. "Das Jobangebot klang sehr attraktiv", erzählt Schüller. Eine Behörde biete gute Arbeitsbedingungen: Bezahlung nach Tarif und ein unbefristeter Vertrag.

Mit ihrem Auslandsaufenthalt in Kairo konnte Schüller bei der Bewerbung für die ausgeschriebene Stelle punkten. Der Bewerbungsprozess sei sehr aufwendig gewesen, erinnert sie sich. Schüller musste ihre Sprachkenntnisse in Arabisch und Persisch nachweisen und wurde in einem Test über den islamistischen Terror, dessen Gruppierungen und aktuelle Bewegungen befragt. Erst danach kam das eigentliche Vorstellungsgespräch.

"Personen, die mit einer sicherheitsempfindlichen Tätigkeit betraut werden sollen, müssen sich vorher einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen", erklärt Marianne Falasch vom BKA. Das heißt: Auszug aus dem Strafregister, Überprüfung des Lebenspartners und Befragung dritter Personen über den Bewerber.

Schüller sieht sich in ihrer Position im Gemeinsamen Internetzentrum als "Expertin, um Kontexte zu erklären". Sie wertet dschihadistisch ausgerichtete Internetseiten und Botschaften aus, die über das Netz verbreitet werden. Texte des Islamischen Staats seien derzeit ihr Tagesgeschäft. Dabei muss sie weniger übersetzen - dafür gibt es Übersetzer - sondern strategisch bewerten. "Konzeptionelles, vernetztes und analytisches Denken ist von Vorteil, will man in der Terrorismusbekämpfung arbeiten", sagt Karriereberaterin Nadja Henrich.

Weil Terroristen sich heutzutage vor allem über das Internet organisieren, hat sich die Arbeit in den Behörden in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Für die Terrorismusbekämpfung werden neben Islamwissenschaftlern verstärkt Informatiker gesucht. Bewerber müssen nicht unbedingt studiert haben. "Wir stellen auch Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein", erklärt Falasch vom BKA.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bietet sogar IT-Stipendien an, in denen Informatikstudenten finaziell unterstützt werden, um im Anschluss beim BfV zu arbeiten. Es gibt auch die Möglichkeit, beim BfV das duale Studium zum Diplom-Verwaltungswirt zu machen. Das dauert drei Jahre. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie beispielsweise Staatsrecht und Betriebswirtschafslehre. Im Anschluss können Absolventen in der Terrorismusbekämpfung als Beamte arbeiten.

Keine James-Bond-Mission

Neben Islamwissenschaftlern und Informatikern suchen die Behörden Observationskräfte. Sie beobachten auffällige Rückkehrer oder Personen, die im Internet radikalisierende Botschaften verbreiten. Wer sich dafür interessiert, ist viel auf der Straße unterwegs. "Voraussetzung ist ein Führerschein und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Körperliche Fitness sollten die Bewerber ebenso mitbringen", erläutert Stefan Mayer vom BfV.

Ob Ausbildung oder Studium, Bewerber müssen auf jeden Fall interkulturelle Kompetenzen mitbringen. Aus dem Grund will das BKA auch mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund einstellen. Die deutsche Staatsangehörigkeit sei nicht notwendig. Außerdem sollten Bewerber eigenverantwortlich arbeiten können, verantwortungsbewusst und loyal sein. "Wichtig ist vor allem ein Verständnis für politische Zusammenhänge", erklärt Mayer.

Für einige Bewerber mag eine Anstellung in der Terrorismusbekämpfung wie eine James-Bond-Mission klingen. Von dieser Vorstellung sollte man sich aber lösen. "Meine Arbeit beim BKA findet hauptsächlich im Büro statt", erzählt Hanna Schüller. Nur manchmal kommt es vor, dass sie Vorträge hält, bei Hausuntersuchungen dabei ist oder als Zeugin vor Gericht aussagt. "Gefährlich finde ich meinen Job nicht", sagt sie. Manchmal stehe sie nur unter einem gewissen Zeitdruck. Das sind dann die Momente, in denen sie Terrordrohungen analysiert, die offensichtlich gegen Deutschland gerichtet sind. Dann sei Teamarbeit mit den Kollegen gefragt, um Anschläge zu verhindern.
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