Beschäftigtenzahl auf Rekordhöhe

Es war nicht nur der deutsche Aktienindex, der im vergangenen Jahr immer neue Allzeithochs erreicht hat. Auch die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern und auch in der mittleren und nördlichen Oberpfalz weist solche Höchststände auf.

Amberg/Weiden. Das ehemalige Grenzland hat dabei seit der Finanzkrise sogar den Bayerndurchschnitt übertroffen. Zweistellige Wachstumsraten der Beschäftigung gibt es seit 2009 in allen sechs Landkreisen und kreisfreien Städten der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Es sind allerdings vorwiegend die Teilzeitarbeitsplätze, die neu entstanden sind.

21 000 neue Arbeitsplätze

Die Finanzkrise des Jahres 2008 hat auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nur wenig Spuren hinterlassen, weil durch Kurzarbeit die Auftragsrückgänge weitgehend aufgefangen werden konnten. Die allerdings danach einsetzende wirtschaftliche Erholung führte trotzdem zu immer neuen Höchstständen bei den Zahlen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In den sechs Landkreisen und kreisfreien Städten zwischen Schwandorf und Tirschenreuth wurden innerhalb von fünf Jahren rund 21 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Auf 182 000 Beschäftigte kletterte die Gesamtzahl bis Juni 2014. Mit einer Zunahme von 13 Prozent wurde in der mittleren und nördlichen Oberpfalz insgesamt gerechnet sogar der Bayern-Durchschnitt von 11,7 Prozent übertroffen. Alle Teilregionen haben zweistellige Steigerungswerte, doch eindeutiger Spitzenreiter ist der Landkreis Schwandorf mit einem Beschäftigtenwachstum von 15,7 Prozent. Viele wissen es schon nicht mehr und müssen in den Geschichtsbüchern nachlesen: In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zählte der Arbeitsamtsbezirk Schwandorf zu den Regionen mit den höchsten Arbeitslosenquoten in der gesamten damaligen Bundesrepublik Deutschland.

Die Entwicklung hat sich komplett gedreht, denn das Beschäftigungswachstum zum Beispiel im Industriepark Wackersdorf und bei vielen anderen dynamischen Wachstumsbetrieben im Landkreis Schwandorf ließ dort die Arbeitslosenquote längst auf in etwa die Hälfte des Bundesdurchschnitts sinken.

Amberg und Weiden

Die städtischen Bezirke Amberg und Weiden konnten im Beschäftigungswachstum mit den Landkreisen insgesamt, vor allem aber mit dem Landkreis Schwandorf nicht mithalten. Dennoch gibt es auch dort zweistellige Zuwachsraten bei der Beschäftigtenzahl von 11,2 Prozent in Amberg und 10,4 Prozent in Weiden.

Mehr Teilzeitarbeit

Arbeitsmarktexperten weisen allerdings immer wieder darauf hin, dass das starke Beschäftigungswachstum fast ausschließlich Teilzeitarbeitsplätze betrifft. Die einen sagen, dass dadurch der Trend zu niedrigen Einkommen und eventuell zusätzlich notwendiger "Aufstockung durch Hartz IV" verstärkt werde, andere freuen sich über Zusatzeinkommen für Familien oder die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes durch die Möglichkeiten der Teilzeitarbeit.

Tatsache ist, dass sich in den vergangenen fünf Jahren im Beschäftigungssystem ein starker Strukturwandel zugunsten der Teilzeitarbeit vollzogen hat. Im Handels- und Dienstleistungszentrum Weiden arbeitet schon fast jeder dritte Beschäftigte auf einem Teilzeitarbeitsplatz. In der gesamten mittleren und nördlichen Oberpfalz prägt das Wachstum der Teilzeitarbeitsplätze wesentlich die Beschäftigungsgewinne.

Die prozentualen Steigerungsraten zwischen 2009 und 2014 variieren zwischen 38,6 in der Stadt Amberg und 49,5 Prozent im Landkreis Tirschenreuth. Vollzeitarbeitsplätze wuchsen zwischen 2,5 Prozent im Landkreis Tirschenreuth und 7,2 Prozent im Landkreis Schwandorf. Für die Stadt Weiden errechnet sich bei Vollzeitarbeitsplätzen sogar ein kleines Minus von 0,5 Prozent.

Mehr ältere Arbeitnehmer

Neben diesem starken Trend zur Teilzeitarbeit vollzog sich in den vergangenen fünf Jahren in der Beschäftigtenstruktur eine weitere gravierende Veränderung: Die Zahl der über 50-jährigen Arbeitnehmer ist fast explosionsartig angewachsen. Weniger Vorruhestandsregelungen, der drohende Fachkräftemangel und eventuelle Rentenabschläge dürften wesentliche Ursachen für die hohen prozentualen Steigerungen der Beschäftigtenzahl von Arbeitnehmern zwischen 50 und unter 65 Jahren sein.

Am geringsten innerhalb der mittleren und nördlichen Oberpfalz fiel diese im Landkreis Tirschenreuth mit 36,4 Prozent aus. Den höchsten Wert dabei hat der Landkreis Amberg-Sulzbach mit plus 45,7 Prozent. Auffallend ist auch, dass im Berichtszeitraum alle Steigerungsraten über dem bayrischen Durchschnitt von 35,8 Prozent liegen.

Junge bleiben doch

Starke regionale Unterschiede zeigt der Veränderungstrend seit 2009 bei den jüngeren Beschäftigten im Alter von 15 bis 25 Jahren. Die Spanne reicht von minus 1,9 Prozent im Landkreis Tirschenreuth bis plus 7,5 Prozent im Landkreis Schwandorf. Auch der Landkreis Neustadt/WN kommt auf eine Zunahme bei den unteren Altersgruppen von 7,3 Prozent. Von einer Abwanderungsbewegung der jüngeren Jahrgänge kann also keinesfalls gesprochen werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.