Besser ein stilles Gebet als pauschale Vorverurteilungen?

Zum Bericht "Pfarrerin geht wegen SS-Grab":

Vielleicht wäre die Überschrift, Pfarrerin kam von Etzelwang nach Offenhausen, um ein Grab mit drei SS-Männern zu beseitigen, die bessere Überschrift gewesen. Dabei ist die Auflassung von Kriegsgräbern nach europäischem und somit auch nach deutschem Recht nicht gestattet.

Viele deutsche Kommunen würden liebend gern Kriegsgräber auflassen und den Boden teuer verkaufen. Die Kommunen sind auch noch für die Pflege der Kriegsgräber verantwortlich. Sie werden vom Staat für diese Aufgabe finanziell unterstützt. Ich war in Offenhausen und habe mir die Grabstätte angesehen. Zustand am 11. Mai 2015: Ein schlichtes Birkenkreuz ohne Aufschrift. Das ganze Grab ist mit einer Grabplatte abgedeckt, die man in fünf Teilen beschreiben kann. Der oberste Teil beinhaltet einen Text, der wahrheitsgemäß ist. Wer unbewaffnete Menschen ohne Gerichtsurteil erschießt, begeht ein Verbrechen. Gerade Kriegsgräber sollten aber verbinden und Frieden stiften.

Der zweite Textabschnitt ist zumindest nicht zeitgemäß. Es ist sicher ehrenhaft, wenn ein Mensch - egal in welcher Funktion - für seinen Staat oder für andere Menschen sein Leben riskiert und verliert, aber auch solch ein Sterben war und ist nie süß.

Der dritte Abschnitt besteht aus einem Eisernen Kreuz mit den Daten 1939 und 1945. Ein Grab ist etwas ganz persönliches. Ich bin sicher, 1939 war noch keiner dieser drei Menschen Soldat. Im nächsten Abschnitt stehen drei Namen, drei Geburtstage und ein Sterbetag. Sachlage: Am 19. April 1945 gelang es einer US-Einheit, mehrere deutsche Uniformierte gefangen zu nehmen.

Unter den Gefangenen waren auch drei junge SS-Männer. Der Jüngste, am 12. September geboren, war also am Todestag 18 Jahre alt, die beiden anderen 1 Jahr älter. Vor dem Jahre 1975 wurde man in Deutschland erst mit 21 Jahren volljährig.

Ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zur SS ist heute am Grab nicht mehr erkennbar, aber die Steinplatte ist direkt vor dem jeweiligen Dienstgrad nachträglich bearbeitet worden. Der unterste Teil der Grabplatte ist leer.

Zwei der Toten waren gemäß Grabstein Funker und die waren im Krieg rar. Einen Dienstgrad SS-Jäger konnte ich trotz Recherchen nicht finden. Deshalb bin ich im Gegensatz zur Ulrich Fritz überzeugt, es wird keinen Beweis für den Einsatz dieser drei Männer als Begleitkommando für die Todesmärsche geben.

Ich finde es unerträglich, wenn es ohne klare Beweise pauschale Vorverurteilungen gibt, die selbst vor einem 70 Jahre alten Grab nicht halt machen. Am 21. April 1945 wurden diese jungen Männer in den nahen Wald gefahren und dort ohne Gerichtsurteil erschossen.

Ich stamme aus Oberschlesien und bei jedem Friedhofbesuch beteten dort die Menschen am Schluss auch für die "Armen Seelen". Dies ist sicherlich besser, als ein von einer Pfarrerin entfachter Streit.

Josef Adamiok, 92224 Amberg
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