Besuch in der Steiermark

Besonders im Herbst lohnt sich ein Besuch in der Genießerregion Südweststeiermark. Weinrouten führen zu urigen Buschenschenken und Ölmühlen. Und Weinbauern servieren zum Rebensaft bodenständige, deftige Speisen. Eine kulinarische Rundreise.

Mahlen, kneten, rösten, pressen: Im September und Oktober ist in der Ölmühle Herbersdorf Hochsaison. Tag für Tag liefern Landwirte aus den Dörfern ringsum Kürbiskerne in die kleinste Ölmühle der Steiermark. "Täglich stellen wir 200 Liter Steirisches Kürbiskernöl her", erklärt Gernot Becwar. Er ist seit 40 Jahren Ölmüller und Chef einer der ältesten Ölmühlen der Region, mehr als 200 Jahre gibt es sie schon. "Früher galt Kürbiskernöl als Öl der armen Leute." Doch seit etwa 15 Jahren habe das Öl, das nach Nüssen und Brotrinde duftet, auch Einzug in die Gourmetküchen gehalten.

Schilcher Weinstraße

Von der Ölmühle Herbersdorf sind es nur ein paar Kilometer bis zur Schilcher Weinstraße. Die 50 Kilometer lange Autoroute ist eine der sogenannten Themenstraßen in der Südweststeiermark. Zwischen dem nördlichen Ligist nahe Graz und Eibiswald an der Grenze zu Slowenien schlängelt sich die Route kurvenreich durch das sanfte Hügelland. Über Stainz, Bad Gams und Deutschlandsberg führt die Route vorbei an Weingärten, sattgrünen Wiesen, Kürbisfeldern und dunklen Wäldern.

Mehr als 80 Weinbauern pflegen ihre Rebengärten entlang der Schilcher Weinstraße. Auf vielen Winzerhöfen werden zum Nachmittag die urigen Buschenschenken aufgesperr. Die Schenken gehen auf eine Verordnung von Kaiser Joseph II. zurück, wonach die Winzer dort nur Weine aus eigenem Anbau und kalte Speisen servieren dürfen.

"Der Steirische Rosé stammt von der Blauen Wildbacher Traube und darf nur bei uns angebaut werden", erklärt Winzer Siegfried Krottmayer vom Weinhof Glirsch. Der einsam gelegene Hof befindet sich seit 150 Jahren in Familienbesitz. Heute bewirten die Krottmayers die Gäste nicht nur im Buschenschank, sondern halten wie etliche Weingärtner auch ein paar Zimmer für Urlauber bereit.

"Die Klapotetz hab' ich abgestellt, damit ihr ruhig schlafen könnt", ruft Siggi Krottmayer seinen Urlaubsgästen zu. Klapotetz? Das ist Slowenisch und bezeichnet die klappernden Windmühlen der Steiermark. Wer ihren Geheimnissen auf den Grund gehen will, verabredet sich am besten mit Erich Silberschneider in Arnfels. Den Klapotetzbau hat er schon vor über 40 Jahren von seinem Onkel übernommen. Aus 33 Teilen besteht die Klapotetz-Windmühle. Der wichtigste Teil, das Klangbrettl, ist aus Vogelkirsche. "Wenn die Eschenklöppel dort aufschlagen, entsteht der charakteristische Lärm, der Vögel aus den Weinbergen vertreiben soll", sagt Silberschneider.

Trubeliger

Trubeliger als an der Schilcher Weinstraße und der Klapotetzroute geht es auf der viel besuchten Südsteirischen Weinstraße zu, die bei Buchenberg auch die Staatsgrenze Österreich-Slowenien bildet. Ein wenig abseits der Route folgt der Steinberghof einem Trend der Zeit und bietet vegane Menüs an. Hausherrin Uli Firmenich nimmt viel Gemüse und Obst, Kürbiskernöl und Keferbohnen. Nur eines gibt es nicht vegan: die traditionelle Brettljause.
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