Betrüger-Masche in Prag
Touristen in den Fängen der "Kennzeichen-Mafia"

Ein Prag-Tourist aus Dresden büßte beim Besuch in der tschechischen Hauptstadt sein Kennzeichen ein. Gauner wollten ein Lösegeld von ihm erpressen. Und er ist nicht das einzige Opfer. Archivbild: dpa

Wer als Tourist nach Prag mit dem eigenen Wagen fährt, muss sich auf Ärger gefasst machen: Betrüger haben eine neue Masche, um Geld von ihnen zu erpressen. Dafür "entführen" sie Autokennzeichen.

Prag. Volker S. aus Dresden traute seinen Augen nicht. Drei Stunden hatte er für einen Stadtbummel durch Prag sein Auto auf einem kostenpflichtig bewachten Parkplatz abgestellt. Als er zurückkam, stand es ohne Kennzeichen da. Stattdessen prangte hinter dem Scheibenwischer ein Zettel mit einer Telefonnummer. "Als ich die Nummer wählte, sagte man mir auf Englisch, dass ich meine fehlenden Nummernschilder wiederhaben könnte - wenn ich 500 Euro zahle", sagt er. Der Dresdener ging zur nächsten Polizeistation und gab den Vorfall zu Protokoll. Der wurde sofort an eine Sonderkommission der Prager Kripo weitergeleitet. Helfen konnte die ihm nicht, immerhin ermittelt sie. Volker S. musste einen Abschleppdienst bitten, sein Auto nach Dresden zu befördern.

Was Volker S. ereilte, ist eine neue Masche von bisher nur in Prag agierenden Gangstern, Geld von Ausländern zu erpressen. Sie schlagen nach Polizeiangaben etwa 30 Mal am Tag zu. Die Verbrecher wissen, dass Autos ohne Kennzeichen auf tschechischen Straßen und Autobahnen sofort von der Polizei angehalten werden. Fahren ohne Kennzeichen ist in Tschechien verboten, wird mit Geldstrafen von umgerechnet bis zu 370 Euro belegt. Aber auch beim Überschreiten der Grenze nach Deutschland oder Österreich schlägt die Polizei zu. Auch dort ist das Führen eines Autos ohne Kennzeichen untersagt und kostet richtig Geld.

Das Problem für die Geschädigten: Anders als etwa in Deutschland stellt in Tschechien keine Behörde so ohne weiteres ein Ersatznummernschild aus. Dazu müsste das Fahrzeug unter seinem alten Kennzeichen zuerst stillgelegt werden. Stillegen können deutsche Autofahrer ihr Gefährt aber nur in Deutschland. Mehr als den Abschleppdienst kann die Prager Polizei also auch nicht empfehlen.

Was tun? Es gilt der alte Rat, nicht mit dem Auto nach Prag zu fahren. Auch Hotel-Tiefgaragen sind nicht sicher. Die Stadt, so könnte man zynisch hinzufügen, ist eh immer verstopft und zudem kann man als Autofahrer nicht einmal ein tschechisches Bier trinken - wegen der Null-Promille-Grenze, die scharf kontrolliert wird.
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