Big Benz braust zur Business-Lounge
Fahrbericht Mercedes V 250 Bluetec

Auch wenn die neue V-Klasse von Mercedes eine wuchtige Erscheinung ist, fahren lässt sich der Raumkreuzer wie ein Pkw. Langstrecken sind seine Domäne. Bild: Daimler
Es ist zwar nur ein schlichtes Zeichen, gibt aber die Zielrichtung vor: Als "V" wie Victory schickt Mercedes den Nachfolger des glücklosen Viano auf die Straßen. Und der Raumkreuzer hat vor allem ein Ziel: die Bulli-Parade aus der Erfolgsspur zu drängen.

Dabei bauen die Stuttgarter auf ein bewährtes Rezept: Etwas nobler und etwas schicker als die meisten Mitbewerber sind die Stuttgart-Vans ja schon immer gewesen. Jetzt kommt noch ein kräftiger Schuss Luxus dazu. Und schon mutiert "Big Benz" zur komfortablen Business-Lounge.

Platz satt bietet jedenfalls die auf 5,14 Meter gestreckte Langversion. Das edle Leder-Gestühl im Fahrgastraum lädt geradezu zum Lümmeln ein. Die vier Einzelsitze lassen sich spielerisch auf den Schienen verstellen und - wenn nötig - auch ausbauen. Allerdings bei fast 30 Kilo Gewicht schon ein kleiner Kraftakt. Ein Tischchen mit herausziehbarer Platte nimmt alles auf, was so an kleinen Dingen auf großer Fahrt griffbereit sein soll. Langstrecken lassen sich ermüdungsfrei bewältigen. Beeindruckend, wie spielerisch sich das Dickschiff auch im Stadtverkehr bewegt

Der Fahrer findet einen Arbeitsplatz vom Feinsten. Die Instrumentierung ist klar und übersichtlich, die Materialien sind edel. Die Elektronik darf Heinzelmännchen spielen. Und so finden sich elf Assistenten für alle nur erdenklichen Situationen. Serienmäßig an Bord sind allerdings nur der Seitenwind-Helfer und der Müdigkeitswarner. Für entsprechende Entlohnung aber geben die Helferlein via Kameras einen 360-Grad-Überblick, warnen vor Hindernissen, schauen in den toten Winkel, suchen sich ausreichend große Lücken und parken gleich selbstständig ein. Sie halten die Geschwindigkeit und bremsen, wenn der Fahrer dem Vordermann zu dicht auf die Pelle rückt. Das Navi lässt sich per Sprache bedienen und die Soundanlage verwandelt den Innenraum in einen Konzertsaal. Viel getan hat sich unter dem Blechkleid. Statt eines Sechs- werkelt da jetzt ein agiler Vierzylinder, der in der von uns gefahrenen Top-Version mit 190 PS und 440 Newtonmeter kraftvoll anschiebt und im "Overtorque" noch zusätzlich 14 PS und 40 Nm mobilisiert. Die haben mit dem Zweitonner leichtes Spiel. Und der Verbrauch (siehe Datenblatt) kann sich echt sehen lassen.

Auf die Straße kommt die Leistung über eine empfehlenswerte 7G-Tronic. Wer sich jetzt noch "Agility select" leistet, kann auf Knopfdruck entscheiden, ob er ökonomisch, komfortabel sportlich oder per manueller Eingabe unterwegs sein will. Selbstredend passt sich das Fahrwerk den entsprechenden Parametern an.

So präsentiert sich die neue V-Klasse als "Mercedes unter den Großraumlimousinen". Auch im Preis, der schnell jenseits der 70.000 Euro liegt.

Datenblatt

Mercedes V-Klasse: Großraumlimousine, 5 Türen, 6 Sitze

Antrieb: Vierzylinder-Diesel mit 2 Turboladern und AdBlue-Abgasreinigung, 2143 ccm, 190 (+14) PS, max. Drehmoment 440 (+40) Nm bei 1400-2400 U/min, Euro 6, Siebengang-Automatik, Hinterrad-Antrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 206 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 9,1 sec., Testverbrauch 7,8 l, Tankinhalt 70 Liter (optional)

CO2-Emission: 157 g/km (bei Normverbrauch von 6,0 l), Effizienzklasse A

Maße und Gewichte: Länge 5140 mm, Breite 1928 mm, Höhe 1939 mm, Leergewicht 2145 kg, Zuladung 905 kg, Kofferraumvolumen 1030-4030 Liter, Anhängelast 2500 kg (gebremst)

Preis: ab 56.917 Euro (Grundpreis)
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