Böhmischer Bruder ein Raumkreuzer
Fahrbericht Skoda Superb Style 2.0 TDI

Als Volkswagen vor fast einem Viertel Jahrhundert bei Skoda einstieg, da galt der böhmische Bruder als so etwas wie die Billigmarke im Konzern. Wenn auch mit besten Zukunftsaussichten. Heute steht der Name für eine hochmoderne und ausgereifte Modellfamilie, die einen bemerkenswerten Erfolgsweg eingeschlagen hat.

Der Superb zum Beispiel macht nicht nur seinem Namen alle Ehre, sondern auch dem Passat das Leben ganz schön schwer. Mit der Limousine ist den Mannen um Chef-Designer Jozef Kaban der sprichwörtlich große Wurf gelungen. Eine echt schicke Erscheinung, unauffällig vielleicht, aber von einer zeitlosen Eleganz. Ganz einfach schön anzuschauen.

Und von einer schieren Größe, die manche Langversion der Luxusklasse nicht zu bieten hat. Da wird er jetzt wahr, der Traum vom Raum. Dabei kaschiert der Skoda, dass er sich - wie alle seine neuen Konzernbrüder - über den modularen Querbaukasten (MQB) definiert, im Grunde also eine XXL-Version des Golf darstellt.

Aber auf 4,86 Meter gestreckt und um fast 5 Zentimeter breiter geworden bietet der Superb Platz in Hülle und Fülle. Und der um 8 Zentimeter gewachsene Radstand lässt selbst im Fond noch so viel Luft zwischen der ersten Reihe und den Rücksitzen, dass die Hinterbänkler gerne die Fußstützen in Anspruch nehmen. Der Kofferraum ist unglaublich und wirft die Frage auf, ob es da überhaupt noch eines Kombis bedarf. Und wer denn noch das Ikea-Regal unterbringen muss, wird damit keine Probleme haben. Ruckzuck ist die Rücksitzbank umgelegt. Die riesige Heckklappe lässt sich für knapp 600 Euro auch mit einem Fußwisch öffnen.

Der Arbeitsplatz des Fahrers gehört in die Kategorie "besonders ergonomisch", ist ungeheuer aufgeräumt. Die Armaturen lassen sich intuitiv bedienen. Man muss nicht erst das Handbuch bemühen, um losfahren zu können.

Unser Testwagen war mit dem "kleinen" Zweiliter-TDI bestückt. Er erfüllt die EU6-Norm und sollte demnach nicht zu den Schwindel-Dieseln gehören. Es ist jedenfalls ein laufruhiges und drehmomentstarkes Triebwerk, das mit den knapp 1,5 Tonnen Leergewicht keine Mühe hat. Unaufgeregt erledigt der Selbstzünder seine Arbeit, glänzt auch in der Elastizitäts-Disziplin. Das Start-Stopp-System reagiert bestens und hilft so zu sparsamen Verbrauchswerten. Das adaptive Fahrwerk (910 Euro) stellt sich per Knopfdruck den Wünschen des Fahrers, egal, ob er nun komfortabel oder sportlich unterwegs sein will. Wobei auf langen Autobahnwellen eher zur härteren Einstellung zu raten ist. Sonst schwingt der Superb doch etwas nach. Für den Alltag reicht "Normal". Mit dem Fahrprogrammen einher geht auch die Abstimmung für die Gasannahme und die Direktheit der Lenkung.

Der neue Superb vertritt das obere Ende der Mittelklasse. Die zahlreichen Simply-Clever-Lösungen wie beispielsweise Eiskratzer im Tankdeckel oder Regenschirme in den Seitentüren sind hinlänglich bekannt. Dazu kommt noch eine ganze Armada an Assistenten. Die halten die Spur und den Abstand, helfen beim Parken, schauen voraus und nach hinten, erkennen Verkehrszeichen und sorgen für eine Notbremsung, wenn der Fahrer nicht auf die Warnungen reagiert.

Das alles gibt's nicht umsonst. Dennoch endet die Preisliste eines Skoda Superb da, wo gleich große Fahrzeuge erst beginnen.
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