Bohlen fürs Beschlächt

Ist er ein typischer Regensburger? Claus Meier schmunzelt. Er ist eben der Meier Claus, Handwerker, Künstler, Mensch - ein Mensch, dem es hier gefällt. Der Regensburger über seine Stadt, seine Leidenschaften - und die Bohlen fürs Beschlächt.

Regensburg.Der Duft frischen Holzes durchströmt an diesem heißen Sommertag die Werkstatt von Claus Meier. "Max-Holzwerk - Schreinerei - Zimmerei" steht an der Tür des Gebäudes im Süden der Stadt - ein Holzhaus, mit begrünter Dachterrasse und viel Licht. Das passt zu ihm, einem 48-Jährigen mit sonnigem, offen Gemüt. In den gängigen Klischees menschlicher Charaktere ließe er sich gut in die Schublade "Öko" stecken.

Eam gfallt's da guat

In Weiden geboren, lebt er jetzt schon seit drei Jahrzehnten in Regensburg, "zieht man mal ein paar Jahre in München davon ab". "Mir gfallt's da", sagt er knapp in einer niederbayrisch-oberpfälzischen Melange, wie sie nur der Rengschburga hervorbringt. Ihm gfallt's da. Die schönste Stadt der Welt? Oh, diese Frage kommt jetzt doch unverhofft. - "Ja, na - wir hom halt koi Meer." Ach so. Einmal Paradies, bitte.

Eine Säge kreischt, "Schreinerei - Zimmerei". Einer seiner drei Compagnons arbeitet an einer Holzbohle, Meier packt mit an und lässt wissen: "Das ist für den Rammschutz an den Beschlächten der Steinerne Brücke, die momentan saniert wird." Beschlächte?

"An der Stoanernen san doch unten an den Brückenpfeilern so Fundamente, die ausschaun wie Schiffe und sie vor Eisgang und Unterspülung schützen", erklärt er. "Da machen wir einen Schutz aus Holz hin." Ach, ja. Nicht schlecht fürs Beschlächt - vielleicht lässt sich klangmalerisch der Neuzugang fürs Vokabular am besten merken.

Aber, es sollen ja kein Schreiner und dessen Betrieb porträtiert werden, sondern "ein typischer Regensburger". Das Schmunzeln in Meiers Gesicht ist Widerspruch: "Na, i bin kein typischer Regensburger", protestiert er. Die Frage, was dann ein typischer Regensburger sei, kann er aber auch nicht beantworten. Schwer.

Vielleicht ist das Typische an den Regensburgern dann eben, dass sie Individualisten sind, ihren Weg gehen, ihr Ding machen. Dann probiert er es doch: "Der Regensburger hat was vom Oberpfälzer und vom Niederbayern, ist ein bisschen in sich gekehrt wie ersterer, aber auch gemütlich wie der Niederbayer. Und er weiß, dass er in einer schönen Stadt lebt und genießt das auch."

Claus Meier lässt seinen Kollegen alleine an den "Bohlen fürs Beschlächt" weiterarbeiten und nimmt sich Zeit für eine Tasse Kaffee. Dann kramt er etwas unterm Schreibtisch hervor - eine Stehlampe: "An solchen Sachen arbeite ich momentan, wenn ich Zeit habe." Der Stil der Lampe ist aus einer Mineralplatte geformt, erklärt er: "Das Material ist eine Mischung aus Kunststoff und Mineralien. Wenn man es erhitzt, lässt es sich super formen."

Am liebsten macht er damit Lampen, auf eine habe er sogar Gebrauchsmusterschutz. "Die Wirkung von Licht im Wohnbereich fasziniert mich. Ich kann damit Farbakzente setzen und Objekte im Raum herausstellen." Schon seit Jahren setzt er sich auch mit Installationen aus hinterleuchtetem Plexiglas und echtem Glas. Er geht in den Raum nebenan, sein Reich. Es steht voller bunter "Lichtwerke", die er kreiert hat. "Damit will ich kein Geld verdienen, es macht aber Spaß, wenn es jemanden gefällt."

Ein gutes Pflaster

Ist Regensburg ein gutes Pflaster für Zeitgenossen wie ihn, die sich für vieles interessieren und einfach anpacken? Eine rhetorische Frage. "Ja, klar. Hier gibt es Menschen, die sich kreativ einbringen, man kann sich hervorragend austauschen und findet Anerkennung. Das Klima an der Donau stimmt".
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