Briefe an die Redaktion "Aussagen sind offensichtlich in den Wind gesprochen"

Das Thema Windräder in Freudenberg bewegt einen Leser:

Die Bürgerwind Region Freudenberg GmbH, vertreten durch Herrn Wilczek, vertritt in der Amberger Zeitung mit allgemeinen Angaben die Theorie, dass zwei Windräder der Marke Enercon E82-E2 (entspricht den bereits bestehenden Windrädern) leiser seien als ein Windrad der Marke Vestas V112, das vom Landratsamt als drittes Windrad in Freudenberg, Ortsteil Witzlricht und Hainstetten, auf Antrag der Firma Voltgrün genehmigt werden wird. Er möchte damit den Bürgern zusätzlich noch ein viertes Windrad schmackhaft machen. Dabei gehe es ihm ausschließlich um "die Menschen, die da wohnen". "Und es darf nicht die Rendite im Vordergrund stehen."

Wie es bei Geschäftsführer Wilczek um den Lärmschutz der Anwohner wirklich bestellt ist, zeigt schon seine Äußerung, er könnte sich vorstellen, die beiden bestehenden Bürgerwindräder mit sogenannten Serrations nachzurüsten. Sie sollen beim Durchschneiden der Luft Turbulenzen verhindern und auf diese Weise die Flügelgeräusche deutlich reduzieren. Wenn es ihm nicht um die Rendite geht, ist unverständlich, warum diese Serrations bis jetzt nicht eingebaut wurden!

Was vom selbst ernannten Windradsamariter Wilczek zu halten ist, zeigt ein Vergleich der technischen Daten der bestehenden und der geplanten Anlage: Die bestehenden zwei Anlagen von Enercon haben laut Herstellerangaben eine Schallleistung von je 105,6 dB(A) bei einer Nennleistung von 2300 Kilowatt. Die Anlage der Firma Vestas hat eine Schallleistung von 106,5 dB(A) bei einer Nennleistung von 3000 Kilowatt. Änderungen der Lautstärke um ein Dezibel kann der Mensch zwar wahrnehmen, sie sind aber nicht besonders erheblich.

Zum Geräuschpegel der Vestas V112 gibt die Firma übrigens bei der Produktbeschreibung an: "Bereits bei optimalem Betrieb ist die V112-3.0 MW eine leise Anlage, aber noch leiser ist sie im geräuscharmen Betriebsmodus. Damit ist sie ideal für den Einsatz an Standorten, an denen bestimmte Lärmschutzwerte einzuhalten sind."

Nach allgemeinen physikalischen Gesetzen verursacht eine Verdoppelung der Lärmquelle (also zwei Windräder statt eines) eine Zunahme des Schalldruckpegels um 3 dB(A). Eine Erhöhung um 10 Dezibel wird als Verdoppelung der vorhergehenden Lautstärke wahrgenommen. Der Vergleich zeigt, dass +3 Dezibel eine erhebliche zusätzliche Beeinträchtigung der Anwohner bedeutet. Sie entspricht etwa einem Drittel der Verdoppelung der Lärmbelastung.

Da es angeblich nicht um Profit, sondern ausschließlich um den Schutz der Anwohner gehen soll, bleibt es ein Geheimnis des Herrn Wilczek, wie bei dieser Sachlage zwei Windräder von Enercon leiser sein sollen als das eine Windrad von Vestas. In Anlehnung an eine frühere Sendung des Bayerischen Rundfunks ist diese Aussage offensichtlich "in den Wind gesprochen".

Rüdiger Niethammer, Freudenberg

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