Briefe an die Redaktion "Da fehlt nicht mehr viel zur Raubrittermentalität"

Zu "Wer einen Weg umpflügt, zahlt" (AZ vom 21. März):

Feldwege haben einen Sinn, jedenfalls meistens, nämlich dass auch hinterliegende Grundstücke über diesen Weg bewirtschaftet werden können. Hat sich das durch den Lauf der Zeit erübrigt, steht dem Verkauf des Grundstücks an den Landwirt nichts im Wege. Wird der Weg aber noch benötigt, dann hilft es dem Hinterlieger auch nichts, wenn der Landwirt an die Gemeinde für den verschwundenen Weg eine Pacht zahlt. Die Gemeinde ist sogar, je nach "Status" des Weges, unterhaltspflichtig.

Umackerung kann man jetzt nicht so direkt als Unterhalt betrachten. Und was die Höhe des Pachtzinses von 300 Euro pro Hektar betrifft: Das Niveau liegt bei 700 bis 1000 Euro pro Hektar. Da wird also jeder rücksichtslose Landwirt noch dafür belohnt, dass er fremden Grund ohne zu fragen in Anspruch nimmt und damit die Hinterlieger von ihrer Erschließung abschneidet. Da fehlt nicht mehr viel zur Raubrittermentalität!

Verwundert reibe ich mir die Augen, wenn der Bürgermeister davon redet, dass der Weg danach wiederhergestellt werden müsse "so wie er war". Ja, wie will er denn das im Nachhinein feststellen? Dazu kommt: Wenn einer nicht mal eine niedrige Pacht zahlen will, dann "will" der auch ganz sicher den Feldweg nicht auf seine Kosten wiederherstellen. Jeder, der damit zu tun hat, weiß, wie schwer das ist, einen Unwilligen zum Zahlen zu bringen. Am Ende blecht dann doch wieder die Allgemeinheit.

Von Grenzsteinen will ich gar nicht reden. Die fliegen ja auch so schon oft genug, ohne dass der Wegekörper umgeackert wird, weil manche Landwirte den halben Meter Rangen bis zum Schotter nicht anschauen können und es passiert - gar nichts!

Die ehrlichen Landwirte sind die Dummen. Soweit kann's und darf's nicht kommen! Im Gegenteil: Wenn es zu ihren Gunsten ist, wissen die Bauern jeden Grenzstein ganz genau. Darum kann man auch verlangen, dass sie öffentliches Eigentum respektieren, und in so einem Fall kann nur eine sofortige großzügige (!) Wiederherstellung des Weges - und zwar mit Grenzsteinen - auf Kosten des Landwirts ohne Wenn und Aber und eine saftige Pacht die einzig logische Konsequenz sein.

Nachträgliche Duldung und Belohnung durch eine niedrige Pacht sind nicht nur die falschen Signale, sondern Rechtsbeugung durch eine Kommune! Vielleicht ist Fensterbach ja aber auch seiner Zeit voraus und nimmt den Klimawandel vorweg, indem es jetzt schon Bananenrepublik-Sitten einübt.

Michael Bartl, Kastl

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