Briefe an die Redaktion "Fragwürdiger Freibrief für Lärmen"

Zu "Aufregung um Schulsportplatz" (AZ, 4. März):

Wenn es um Lärm geht, durch den Bürger an Autobahnen, Bahngleisen und Flugplätzen belästigt werden, zeigt sich auf breiten Ebenen Protest bis zur Besserung der unerträglichen Situation durch millionenschwere Baumaßnahmen, untermauert mit Messergebnissen in wissenschaftlichen Gutachten.

In der AZ vom 4. März war auf Seite 1 zu lesen, dass EU-weit circa 10 000 Menschen jährlich frühzeitig an Erkrankungen durch Lärmbeschädigungen sterben. Im Regionalteil wurde über mannigfaltig unterschiedliche bis kontroverse Stellungnahmen von Lesern zur Lärmbelästigung auf dem Ammerthaler Sportplatz mitten im Wohngebiet berichtet. Über physische und psychische Dauerschädigung von Menschen durch Lärm gibt es zahlreiche gesetzliche Regelungen zu deren Verhinderung oder Reduzierung. Zum Beispiel ist Hahnengeschrei in den Morgenstunden und Kirchengeläut zu bestimmten Zeiten untersagt und Straßenlärm von Autos durch Geschwindigkeitsbegrenzungen in Wohngebieten geregelt, weil mit Dezibelmessungen Grenzwertüberschreitungen ermittelt wurden, die dauerhaft gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Viel Lärm ist eine Folge von notwendiger Mobilität und unvermeidbarer zivilisatorischer Entwicklung.

Zum Beispiel Lärm auf Fußballplätzen durch grenzenlose Enthemmung jugendlicher, bandenähnlicher Gruppierungen, die Polizeieinsätze notwendig machen und anschließend Gerichte bemühen. Es ist auch eine Sache des Milieus, aus dem Jugendliche herangewachsen sind, wenn durch mangelhafte Erziehung zu sozialverträglichem Verhalten Rücksichtslosigkeit zur Selbstverständlichkeit stilisiert wird.

Ich bemühe mich, den kategorischen Imperativ von Kant dahingehend zu interpretieren, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beeinträchtigt wird. Das beinhaltet die Definition des Menschen als vernünftiges Wesen, das Grundprinzip der Moral und die objektive Gesetzmäßigkeit zur Vernunft.

Insofern ist nicht nachvollziehbar, wie man Ausnahmen dazu zulässt, weil ein Generationenproblem bezüglich Geburtenrückgang unabwendbar scheint. Das kann kein Freibrief für lärmende, nachwachsende Kindern sein, das ist ein Erziehungsproblem, das sich sukzessiv entwickelt hat.

Wenn Eltern vor ihren eigenen quirligen Kindern Ruhe haben wollen und sie auf Spiel- oder Sportplätze in Wohngebieten schicken, um sie dort "Kind sein" zu lassen in der Entfaltung hemmungslosen und rücksichtslosen Lärmens, hat das auch mit Rücksichtslosigkeit aus milieuspezifischer Erziehung im Elternhaus zu tun. Auch dauerhafte Bolzgeräusche sind nicht nur belästigend und nervend, sondern beeinträchtigen andere, denen man offensichtlich wegen des fragwürdigen Freibriefes für Lärmen das Recht auf Lebensqualität abspricht. Das widerspricht grundsätzlich allen bestehenden Bemühungen um Lärmschutz

Lärm von Kindern ist inzwischen ein anerzogenes Individualrecht geworden, von dem grenzenlos Gebrauch gemacht wird.

Peter Bornholdt, Amberg
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.