Briefe an die Redaktion "Gallinistische Lebensträume besser in einer ruhigeren Wohnlage verwirklichen"

Mit dem Mittel der Satire äußert sich ein bekennender Alt-Tanzflecker zum Artikel "Hoffnung auf gallische Zustände" (AZ vom 17. Oktober) über den Neubau der Ortsumgehung Tanzfleck:

Unser ehrenwertes staatliches Bauamt mit seinen Mitstreitern versucht hier wieder mal, eines seiner sehr gut durchdachten Bauvorhaben für gerade mal voraussichtlich lapidare 6,4 Millionen Euro unserer leichtfertig bezahlten Steuergelder zu verwirklichen. Insbesondere setzt sich dabei der unsere guten alten römischen Zeiten (hier donnerten noch Kettenfahrzeuge aus den gut besetzten Oberpfälzer Kasernen am Wochenende durch den Ort) erlebende Neu-Tanzflecker Herr Becker mit äußerst fragwürdigen Unterstellungen gegenüber den Autofahrern großartig in Szene. Diesem stelle ich die bescheidene Frage, ob er denn nicht aus dem "Asterix" gelernt hat, dass an einer Bundesstraße römische Verhältnisse herrschen? Gleichzeitig empfehle ich ihm, seine gallinistischen Lebensträume besser in einer ruhigeren Wohnlage zu verwirklichen.

Nun zurück zur Ortsumgehung. Warum ist diese denn nicht schon längst gebaut?

1) Man hat in unserem Dorf seitens der Behörden im vergangenen Jahrhundert, zu Zeiten noch leerer Staatskassen, immer auf eine gut ausgebaute Ortsdurchfahrt gesetzt und Kosten einer Ortsumgehung wegen unserer circa 150 Einwohner gescheut. Fazit: Man muss sich wundern, dass bei der schlechten Straße mancher Autofahrer schneller als 50 fährt.

2) Der vom staatlichen Bauamt in diesem Jahrhundert zu Zeiten voller Staatskassen auf den Weg gebrachte Plan, mit welchem sich Herr Becker ausführlich beschäftigt hat, ist mehr recht als schlecht. Fazit: Die beim Planfeststellungsverfahren getroffenen Einwendungen wurden zügig in mehreren Jahren ausgeräumt.

Abschließend: Man kann das staatliche Bauamt zu diesem Objekt beglückwünschen, weil alle betroffenen Anliegerwünsche nun folgendermaßen berücksichtigt werden:

1) Der Straßenverlauf erfolgt nah am östlichen Ortsrand und wird auch nicht weiter nach Westen verlegt, damit alle vorbeifahrenden Autofahrer die unter Artenschutz stehenden Fledermäuse an unseren östlichen Häusern und die auf der Westseite vom Windbruch heimgesuchten Felder in Augenschein nehmen können.

2) Für die Zerstörung des in den 90er-Jahren neugebauten Tümpels für die Störche, Reiher und andere Vögel wurde ein allseits zum Baden gescheutes Gewässer - zu einem man munkelt lapidaren sechsstelligen Betrag - angekauft. Man schreibt hier Naturschutz "groß".

3) Man hat den Tourismus in Tanzfleck mit Verbotsschildern um das Gewässer belebt, die nun von Besuchern weit über die Oberpfalz hinaus besichtigt werden.

4) Die im Südbereich schlechte Ortszufahrt muss durch eine Neuanbindung über Freihung-Nord ersetzt werden.

5) Von den zum Bau veranschlagten Geldern bleibt eine so große Summe übrig, dass die in geringer Anzahl in unserem Ort untergebrachten Flüchtlinge hiervon abgesiedelt werden können.

Franz Böhm, Tanzfleck

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