Briefe an die Redaktion Michal Pospísil der richtige Mann am richtigen Platz

Zu den Artikeln "Einfühlsam und stimmungsvoll" und "Viele Kreuze ohne Namen", NT-Ausgaben vom 30. Oktober und 15. November.

Eindrucksvoll sind die beiden Orte, über die Günther Juba schreibt und deren Besuch man gerade jetzt empfehlen kann - in diesen Novembertagen, die nach christlichem Verständnis dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet sind.

Und Günther Juba findet die passenden Worte - ebenso eindrucksvoll. Dennoch seien zwei Bemerkungen angefügt. Dass die Neugestaltung des Friedhofs von Schönlind aus Mitteln des Stiftungsfonds historisches Eger finanziert worden ist, können auch die Heimatvertriebenen gut heißen. Nach dem enttäuschenden Ausgang des juristischen Hickhacks um den Egerer Stadtwald, der auf bayerischer Seite liegt, sind solche und ähnliche Maßnahmen durchaus zu begrüßen. Noch dazu, wenn die Initiative von einem Tschechen kommt, wie in diesem Fall vom früheren Vizebürgermeister von Eger, Michal Pospísil.

Man kann nur hoffen, dass sein Einfluss auf den neu gewählten Egerer OB und das Stadtparlament, in dem auch einige Kommunisten sitzen, so bleibt wie in der Pressenotiz angedeutet, nämlich unverzichtbar.

Das würde den heimatvertriebenen Egerländern Hoffnung machen für die weitere Zusammenarbeit mit den Tschechen auf der Grundlage der historischen Wahrheit und des richtigen Verständnisses unserer leidvollen Geschichte. Michal Pospísil als Leiter der neu zu schaffenden Abteilung für grenzüberschreitende Angelegenheiten in der Egerer Stadtverwaltung wäre der richtige Mann am richtigen Platz. Wie Günther Juba weiter schreibt, ist der Friedhof in Eger, auf dem die Gebeine von mehreren Tausend deutscher Soldaten und Zivilisten ruhen, der größte Soldatenfriedhof auf tschechischem Gebiet. Man muss hinzufügen: meines Wissens auch der einzige - leider.

Warum ist das so? Gibt es doch in allen anderen Ländern, die vom Kriegsgeschehen berührt waren (45 an der Zahl), viele deutsche Soldatenfriedhöfe, die alle vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge - natürlich in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landesregierungen - errichtet wurden und bis heute vorbildlich gepflegt werden. Der Grund, warum das in der Tschechischen Republik anders ist, liegt darin, dass es bis heute nicht gelungen ist, ein diesbezügliches Abkommen mit der Regierung in Prag zu schließen. Somit hatte und hat der Deutsche Volksbund keine Möglichkeit, dort nach Kriegstoten zu suchen und entsprechende Ruhestätten zu schaffen.

Nach Angaben des Volksbundes schätzt man die Zahl der in der damaligen Tschechoslowakei gefallenen deutschen Soldaten auf mindestens 170 000. Die Zahl der nach dem Krieg getöteten Zivilisten ist umstritten und reicht von 40 000 bis 240 000.

Auf der Internetseite des Volksbundes sind 10 Orte in Tschechien angegeben, in denen es Grabstätten von Kriegstoten - Soldaten und Zivilisten gibt - insgesamt ca. 25 000, also nur ein Bruchteil der Gesamtzahl. Man fragt sich: Wo ist der große Rest? Die Gebeine, die in Eger bestattet wurden, fand man in einem Militärlager bei Aussig und mehrere tschechische Städte, darunter auch Prag, haben es abgelehnt, die endgültige Bestattung zu übernehmen, bis sich endlich Eger dazu bereit erklärte.

Es gibt also noch viel zu tun, denn zur Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen gehört auch, wie man mit den Toten umgeht - ungeachtet deren Nationalität. Gäbe es doch mehr Pospísils, die sich mit so viel Verständnis und Engagement dieser Aufgabe widmen!

Horst Adler, Tirschenreuth

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