Bundestag berät: Begleitung bis in den Tod fördern

Zur Tötung auf Verlangen:

Der Bundestag entscheidet am 6. November, welche Relevanz der assistierte Suizid einnehmen wird. Es liegen vier Abstimmungsvorlagen vor, die den Schutz des Lebens bis zum Tod unterschiedlich bewerten. Die Tötung auf Verlangen ist bisher im Paragraf 216 des StGB geregelt und gilt als Strafbestandteil.

Der "Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung" schränkt die Unantastbarkeit des Lebens bedeutend ein. Denn jeder, der die Selbsttötung eines Anderen nicht geschäftsmäßig betreibt, wäre von der Strafverfolgung ausgenommen. Der "Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der ärztlich begleiteten Lebensbeendigung (Suizidhilfegesetz)" öffnet die Pforten der aktiven Sterbehilfe durch Ärzte. Im Eid des Hippokrates, dem sich die meisten Ärzte verpflichtet fühlen, steht: "Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde. Auch werde ich niemanden dabei beraten ..." Viele Ärzte kämen durch dieses Gesetz in Gewissensnot.

Der "Entwurf eines Gesetzes über Straffreiheit der Hilfe zur Selbsttötung" sieht vor, dass die gewerbliche Selbsttötung zwar verboten ist, aber eine Strafverfolgung sollte nicht geschehen. Dieser Entwurf trägt einen offenen Widerspruch in sich: Ich mache etwas Verbotenes, werde aber dafür nicht belangt. Der "Entwurf eines Gesetzes über die Strafbarkeit der Teilnahme an einer Selbsttötung" will neben der aktiven Sterbehilfe außerdem die assistierte Suizidbeihilfe verbieten, alle anderen Formen des Begleitens in den Tod aber stärken. Der vorliegende Gesetzentwurf will damit eine Begleitung bis in den Tod fördern und nicht die Beförderung in den Tod.

Dieser Gesetzentwurf möchte an dem festhalten, was der Grundsatz der Unantastbarkeit der Würde des Menschen gebietet und trifft damit eine klare Wertentscheidung: Grundsätzlich ist Suizidassistenz verboten und nur in extremen Ausnahmefällen ist sie entschuldet. Dies entspricht der bisher gelebten Rechtsüberzeugung und ärztlichen Praxis.

Thomas Salzl, 92540 Altendorf
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.