Bunte Klippen an der Schiffswrackküste

Über Wasser bunte Vielfalt, unter Wasser tragische Schicksale: Wer Michigans Upper Peninsula besucht, kommt um das Thema Schifffahrt kaum herum. Bootstouren zeigen das lebendige Heute, ein Museum die Schrecken der Vergangenheit. Und es gibt noch mehr zu entdecken.

Fast alle Farben des Regenbogens sind vertreten und noch ein paar Töne mehr: In Rot, Schwarz, Grün und Weiß, in Ocker und in Gelb glitzern die Sandsteinfelsen, gegen die der Lake Superior seine Wellen schwappt. Kapitän Jaden Niemi steuert das Ausflugsboot "Miners Castle" an Klippen vorbei, die Lover's Leap heißen oder Indian Head. Die Pictured Rocks National Lakeshore ist ein guter Grund, um auf die Upper Peninsula (UP) Michigans zu reisen.

Zwar ist die Upper Peninsula so groß wie Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen, doch nur gut 310 000 Menschen leben hier - und ihre Zahl nimmt langsam, aber beständig ab. Die UP zählt zu den wenigen Regionen in den USA, in denen die Bevölkerungszahl zurückgeht. Von Tankstellen bis Hotels: Die Infrastruktur schrumpft mit, manche Orte drohen Geisterstädte zu werden.

An Bord der "Miners Castle" allerdings herrscht an diesem Abend dichtes Gedränge. Die 150 Passagierplätze sind fast alle besetzt. Im Hochsommer legen die Ausflugsboote von Pictured Rock Cruises, einem von drei Tourenanbietern in Munising, bis zu zwölfmal täglich ab. Sie fahren dann zwei bis drei Stunden lang an den Klippen entlang. John Madigan, der Inhaber der Reederei, rät dazu, am besten direkt nach einem Regenschauer die Tour anzutreten: "Die Farben sind am intensivsten, wenn die Oberfläche der Felsen noch ganz nass ist."

Wandern und picknicken

Was die Pictured Rocks so glitzern lässt und ihnen den Namen gab, sind Mineralien, die von austretendem Grundwasser nach und nach aus dem weichen Gestein gespült werden und Farbstreifen auf den Klippen hinterlassen: Kupfer ist darunter, ebenso Mangan, Eisen sorgt für die Rottöne. Seit 1966 stehen die Pictured Rocks als National Lakeshore unter besonderem Schutz.

Ranger der US-Nationalparkbehörde kümmern sich in einem 67 Kilometer langen Küstenstreifen entlang des Lake Superior von Munising im Westen bis Grand Marais im Osten um Aussichtspunkte, Picknickplätze und Besucherzentren. Wanderpfade führen zum See und zu den Klippen, aber auch zu schönen Wasserfällen wie den Miners Falls, den Mosquito Falls und den Sable Falls am Rand der rund 100 Meter hohen Grand-Sable-Dünen. Auch diese gehören zum Schutzgebiet, von bunten Felsen ist hier aber nichts zu sehen. Der Wind hält die Sandberge ständig in Bewegung. Einen guten Blick darauf bekommen Besucher am Log Slide Overlook am Westrand der Dünen.

Dass die Upper Peninsula trotz des jahrzehntelangen Einsatzes von Äxten und Sägen noch ziemlich waldreich ist, erfährt jeder, der von Grand Marais aus nach Osten oder Südosten reist: Bäume, soweit das Auge reicht. Dazwischen taucht, etwa 15 Kilometer vor dem Städtchen Newberry, der Abzweig zu Oswald's Bear Ranch auf, dem größten reinen Bären-Zoo in den USA. Insgesamt 29 Schwarzbären leben hier in weitläufigen Freigehegen.

Drittgrößter Wasserfall

Von Oswald's Bear Ranch nur gut 30 Autominuten entfernt liegt im Osten der Tahquamenon Falls State Park, dessen größte Attraktion ein voluminöser Wasserfall ist - östlich des Mississippi wird er nur von zwei anderen übertroffen, darunter die mächtigen Niagarafälle. Im Hochsommer, wenn die meisten Touristen hier sind, wirkt zwar das Schauspiel nicht mehr ganz so spektakulär, weil sich die Wassermenge bis August auf gut ein Zehntel reduziert. Dafür sind die Wanderwege entlang des Tahquamenon River dann gut in Schuss.

Leuchtturm "im" Museum

Um Schiffe geht es in Whitefish Point am nordöstlichen Ende der UP. An dem Ort kann der 1861 errichtete Leuchtturm besichtigt werden, dessen heute automatisch betriebene Signalanlage 29 Kilometer weit auf den See hinausstrahlt. Vor dem Strand herrscht ständiges Kommen und Gehen der Große-Seen-Frachter. "Wenn die Schiffe hierher kommen, sind sie nur noch eine Stunde von den Schleusen in Sault St. Marie entfernt. Von hier kündigen sie sich per Funk an", erklärt die Besucherführerin.

Der Leuchtturm am Whitefish Point ist heute ein Teil des Great Lakes Shipwreck Museums, das sich den großen und kleinen Katastrophen der Große-Seen-Schifffahrt widmet. Im Mittelpunkt steht dabei die Geschichte des im November 1975 etwa 27 Kilometer vor Whitefish Point gesunkenen Frachters "Edmund Fitzgerald", des größten und bis heute wohl auch berühmtesten Wracks auf dem Grund der Great Lakes. Beladen mit 29 000 Tonnen Takonit für ein Stahlwerk in Detroit, war das 222 Meter lange Schiff in einem schweren Wintersturm gesunken, alle 29 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)Munising (1)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.