Burgfestspiele thematisieren Grauzone zwischen Dichtung und Wahrheit
Charmante Schlitzohre

Liebe Leser, "der Fisch von heut ist immer frisch!" Kaum ist der prägnante Schlusssatz von Wolfgang Kohlhaases schwarzhumoriger Komödie zum (vorerst) letzten Mal gefallen und die Winterspielzeit des Landestheaters beendet, beginnt auch schon der Countdown für die Burgfestspiele in Leuchtenberg und Vohenstrauß, die traditionell die zweite Spielzeithälfte des LTO ausmachen.

Der große Zuspruch und die teilweise enthusiastischen Reaktionen, die wir während der letzten Monate für Produktionen wie "Fisch zu viert", den "Räuber Kneißl" oder unsere Oberpfälzer Version der Kultkomödie "Ladies Night" erhalten haben, gibt uns viel Energie und Elan für den Kraftakt der fünf anstehenden Premieren. Für die ersten von mir als künstlerischem Leiter verantworteten Burgfestspiele habe ich mir die Herausforderung gestellt, den Spielplan ausschließlich mit Stücken und Stoffen zu gestalten, welche in den 33 Jahren seit Gründung der Festspiele noch nie zur Aufführung kamen.

Im Zentrum aller Inszenierungen stehen dabei Figuren aus Literatur und Geschichte, die allesamt in der moralischen Grauzone zwischen Dichtung und Wahrheit agieren, und deren Faszination ihrem zwischen charmanter Schlitzohrigkeit und betrügerischer Hochstapelei changierendem Auftreten entspringt.

Sei es, dass die Heiltränke der "Kurpfuscherin" mehr Menschen gesund machen als die Medizin "richtiger" Ärzte, dass in "Des Kaisers neuen Kleider" eine ganze Hofgesellschaft dem durchsichtigen Lügengewebe zweier gewitzter Scharlatane verfällt, der Träumer "Peer Gynt" immer wieder mit den Schattenseiten seiner überbordenden Fantasie konfrontiert wird, oder Aufschneider Sir John Falstaff mit seinen Eskapaden die bürgerliche Ordnung in Windsor gehörig durcheinanderwirbelt - spannende und unterhaltsame Theatererlebnisse versprechen sie in jedem Fall.

Till Rickelt Künstlerischer Leiter
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