Dan Lehnerer gründet eigene Brauerei
Ein Schluck "New Oberpfalz"

Dan Lehnerer (40) vor den Zapfhähnen in seiner Bierstube. In der Kleinstadt Griffith mit ihren fast 17 000 Einwohnern im Großraum Chicago hat er im Januar eine Mikrobrauerei eröffnet. Zu Ehren seiner Vorfahren hat er sie "New Oberpfalz" genannt. Bild: Joseph S. Pete, The Times of Northwest Indiana
Von Alexander Rädle

Dan Lehnerer ist erfolgreicher Verkaufsmanager. Nebenbei braut er zu Hause Bier. Dann sattelt der US-Amerikaner um, beteiligt sich an einer Revolution - er gründet seine eigene kleine Brauerei. Und er besinnt sich seiner Vorfahren.

Dan Lehnerers "New Oberpfalz" ist 1800 Quadrat-Fuß groß. Das sind umgerechnet 167,23 Quadratmeter. Gemütlich und heimelig. Etwa so groß wie eine Zoiglstube. Oder wie eine Schankstube. Der 40-Jährige lebt in Munster im US-Bundesstaat Indiana, im Nachbarort Griffith betreibt er seit 22. Januar eine Mikrobrauerei, im Englischen "Craft brewery" genannt - die "New Oberpfalz".

Ein Jahr Renovierung

Dort, wo heute "New Oberpfalz" Gäste auf ein frisches Bier einlädt, in der Ost-Hauptstraße 121 in Downtown-Griffith, hing noch im August 2013 ein "For-Sale-Schild" im Schaufenster. Dieses Gebäude und ein weiteres hat Lehnerer gekauft und renoviert. "Es hat auf den Tag genau fast ein Jahr gedauert, bis die Brauerei eröffnet werden konnte", so Lehnerer. Zwar stehe noch nicht genau fest, wie teuer sein Projekt sein wird. "Aber wenn jemand an den Aufbau einer kleinen Brauerei in Amerika denkt, sollte er auf mindestens eine Million Dollar Zugriff haben." In einer Großstadt noch mehr.

Anregungen holte sich Lehnerer in der Oberpfalz. Auf den Spuren seines Ur-Ur-Großvaters wandelnd, besuchte er bei seiner Hochzeitsreise Mittelreinbach und Holnstein (Kreis Amberg-Sulzbach), trank Weißbier von der Brauerei Fuchsbeck aus Sulzbach-Rosenberg und Helles von der Schlossbrauerei Holnstein. Das Ambiente im Gasthaus "Weißes Roß" und der Biergarten davor gefielen ihm. "Wir waren erstaunt, es gab keine Fernseher, niemand benutzte sein Handy. Die Leute genossen einfach die Gesellschaft des anderen, aßen zu Mittag und tranken vorzügliches Bier", schreibt Lehnerer in einer E-Mail an unsere Zeitung. "Ich dachte mir, es wäre schön, diese kulturellen Aspekte der Oberpfalz nach Amerika zu bringen." Dieses Mittagessen - es gab den Ausschlag, die Brauerei "New Oberpfalz" zu nennen.

Auf Bierbänken reden

Wie in Holnstein, so soll es auch in Lehnerers Pub sein: Es gibt zwar einen Fernseher, der soll aber nur zu besonderen Anlässen laufen, etwa beim Super-Bowl. Dies hat Lehnerer der Zeitung "The Times of Northwest Indiana" verraten. Bierbänke sollen dafür sorgen, dass Gäste miteinander ins Gespräch kommen. "Pubs waren das Internet der Antike", so Lehnerer. Eine bayerisch geprägte Mikrobrauerei ist auch für die Gegend um Chicago etwas Neues. Durch die Zapfhähne in Lehnerers Gaststube liefen bisher Kellerbier, Märzen, Alt, Indian Pale Ale, Pale Ale und "Cascardian Pale Ale".

Zwölf Biere möchte Lehnerer ausschenken: Vier im Dauerangebot, vier Saisonbiere und vier Versuchssorten. Speisen können Besucher aus einer kleinen Karte wählen. Brezen gibt es natürlich auch. Und: Oktoberfestbier während des ganzen Jahres. Die Bierhalle ist mit Holz verkleidet. "Wir haben einen minimalistischen Ansatz gewählt, denn es sollte ums Bier gehen", sagt Lehnerer. Dafür verzichtet er auf bayerischen Kitsch oder auch auf die in Amerika beliebten Kuckucksuhren.

Dan Lehnerer hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Ein Jahrzehnt lang hat er zu Hause in seiner Freizeit Bier gebraut. Zuvor war er in führenden Positionen bei großen Lebensmittelkonzernen beschäftigt. Diese gesicherte Existenz hat er gegen einen Posten als Wirt und Brauereichef getauscht.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/new-oberpfalz
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