Das starke Comeback der SpVgg SV

Vor vier Jahren fast mausetot, jetzt quicklebendig: Die SpVgg SV Weiden hat nach einer desaströsen Insolvenz ein erstaunliches Comeback hingelegt. Nicht nur finanziell ist wieder alles im Lot. Der sportliche Höhenflug könnte sogar bis in die Regionalliga Bayern führen.

Weiden. Kurt Haas ist kein Mann, der sich mit grauer Theorie aufhält. Als ehemaliger Marktbereichsleiter der LBS für die Oberpfalz und Niederbayern orientiert sich der 65-Jährige ausschließlich an konkreten Zahlen. Da passt es gut, dass die aktuelle Tabelle der Fußball-Bayernliga Nord genau solche harte Fakten liefert. "Unsere Mannschaft ist in einer sehr guten Verfassung und spielt vorne mit", sagt der SpVgg-SV-Vorsitzende. Und er räumt ein: "Da stellt sich natürlich die Frage nach dem Regionalliga-Aufstieg."

Tauglich für Aufstieg

In der Tat ist die Rückkehr ins bayerische Fußball-Oberhaus eine Option. Denn die Schwarz-Blauen haben im bisherigen Saisonverlauf mächtig vom Leder gezogen. Im Sparda-Bank-Stadion ist das Team von Trainer Christian Stadler noch ungeschlagen, im Verbandspokal wurden Hochkaräter wie Drittligist SSV Jahn Regensburg sowie die Regionalligavereine FC Eintracht Bamberg und SV Seligenporten als Verlierer nach Hause geschickt. "Unser Kader ist tauglich für den Aufstieg", ist Haas deshalb überzeugt. Ist die Regionalliga eine Verlockung? "Ja", gibt der Vereinsboss zu. "Aber deshalb würden wir nicht unseren finanziellen Grundsätze über Bord werfen." Die oberste Regel heißt grundsolides Wirtschaften. Bei der Gründungsversammlung der SpVgg Weiden am 21. Dezember 2010 hat Haas den Mitgliedern und Sponsoren eines versprochen: "Nie mehr soll dauerhaft mehr Geld ausgegeben werden als in die Vereinskasse fließt."

Diesem Auftrag fühlt sich der 65-Jährige verpflichtet, darauf hat er seine Mitstreiter eingeschworen. Um so mehr, da nach der Fusion mit dem SV Weiden dessen Schulden übernommen werden mussten. "Das hat uns ein Stück weit belastet. Aber uns steht im Gegenzug das SV-Sportgelände zu Verfügung. Wir haben mehr Plätze für den Trainingsbetrieb."

Und die sind dringend notwendig. Mittlerweile hat die SpVgg SV Weiden 16 Mannschaften im Spielbetrieb, die meisten natürlich im Nachwuchsleistungszentrum. 13 hochqualifizierte Trainer kümmern sich um rund 200 junge Fußballer. Sie fördern und fordern den Nachwuchs auf vorbildliche Art und Weise. Die Erfolge sind sichtbar: Die C-Junioren sind zuletzt in die Bayernliga aufgestiegen, die A- und B-Junioren in die Landesliga.

Bei weitem nicht alle Talente bleiben aber auf Dauer bei den Schwarz-Blauen. "Die sehr guten Spieler gehen durchaus weg. Mit dem 1. FC Nürnberg haben wir ja eine Partnerschaft", erklärt Haas. Und viele wechseln mit 18, 19 Jahren auch wieder zurück in ihren Heimatverein. "Das NLZ ist kein Selbstzweck. Wir haben uns dem Gedanken verschrieben, für Weiden und die Region etwas zu tun", betont Haas.

Dabei stand das NLZ in der schwierigen Phase der Vereinsgründung sogar auf der Kippe. Haas ist überzeugt: "Es war richtig, dass wir es behalten haben. Auch wenn es viel Geld kostet." Der jährliche Gesamtetat der SpVgg beträgt rund 400 000 Euro. Davon verschlingt die Nachwuchsarbeit gut die Hälfte, wenn Haas eine Vollkostenrechnung anstellt: "Ich muss alle anfallenden Beiträge, Versicherungen und Fixkosten auch auf die Jugendteams umlegen."

Keine Show-Effekte

Kalkulatorisches Denken ist auch bezüglich des Senioren-Spielbetriebs angesagt. Weil in der vergangenen Bayernliga-Saison weniger Zuschauer zu den Heimspielen kamen als erwartet, wurde dieser Ansatz sofort angepasst. "Wir haben mit 280 Zuschauern kalkuliert, aber wir liegen nun über dieser Marke", freut sich Haas. Um wieder mehr Fußballfans ans Wasserwerk zu locken, seien "keine Show-Effekte", sondern vor allem "attraktiver Offensivfußball"" nötig. "Und den spielt die Mannschaft."

Haas kündigt an, das Konzept, auf eine eingespielte Mannschaft und Eigengewächse aus dem Jugendbereich zu setzen, unbeirrt weiter zu verfolgen. Auch im Falle eines Aufstieges in die Regionalliga. "Mehr als ein oder zwei Verstärkungen würde es nicht geben. Wir-Gefühl und Kontinuität zählen. Das ist ja das Geheimnis unserer Erfolgsstory", erklärt er und verspricht: "Wir wollen weiterhin solide wirtschaften und sympathisch auftreten. Da bleiben wir unserer Philosophie treu."

Haas selbst will noch bis 2016 an vorderster Front die Geschicke der SpVgg SV lenken. "Dann wird es Zeit, dass ein Anderer, ein Jüngerer übernimmt."
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