Der Abend, als die Mauer fiel

In einer geteilten Stadt zu leben, war für die Menschen in Berlin viele Jahre Alltag. Bis zu einem Abend vor 25 Jahren: Damals war Friederike zwölf Jahre alt - und sie erinnert sich noch gut daran.

Auf jedem Fernsehsender das Gleiche: Menschen, die über eine Mauer klettern. Jubelnde Frauen und Männer. Hupende Autos. Friederike und ihr Bruder Andreas sind vom eintönigen Programm an diesem Abend genervt. Es ist der 9. November 1989 - vor 25 Jahren.

Großes Ereignis

"Da hat man schon mal sturmfrei und kann in Ruhe Fernsehen gucken - und dann so was", erinnert sich die Berlinerin und lacht. "Als Zwölfjährige war mir eben nicht sofort klar, was für einen besonderen Augenblick wir gerade miterlebten."

Denn die Menschen in Berlin kletterten an diesem November-Abend nicht über irgendeine Mauer. Sondern über die Beton-Wand, die die Stadt mehr als 28 Jahre in West- und Ost-Berlin geteilt hatte. Zu dieser Zeit gab es zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, im Osten. Die Hauptstadt der DDR war Ost-Berlin.

Damit die DDR-Bürger nicht einfach in den Westen auswandern konnten, hatte die Regierung der DDR in Berlin eine Mauer bauen lassen: meterhoch und quer durch die Stadt, als Teil einer kilometerlangen Grenze zwischen Ost und West. Viele Menschen aus der DDR wollten eigentlich lieber in der Bundesrepublik Deutschland leben.

Denn in ihrem Land waren sie unzufrieden. Deshalb wurde die Grenze streng bewacht. Erst an diesem Abend im November 1989 wurde sie wieder geöffnet. Zu Hause bei Friederike in West-Berlin klingelt irgendwann das Telefon. Tante Katharina ist dran. "Sie war ganz aufgeregt und sagte, dass wir das auf jeden Fall sehen müssten und sie uns gleich abholen komme", erzählt Friederike. Kurz darauf heißt es also: rein ins Auto und los zur Mauer am Brandenburger Tor. Das ist ein berühmtes, riesiges Tor mit Säulen in Berlin.

"Als wir dort ankamen, habe ich wahnsinnig viele fröhliche Menschen über die Mauer klettern sehen", erinnert sich Friederike. Wildfremde Leute umarmten sich - aus Freude darüber, dass Berlin nun nicht mehr geteilt war. "Es war irre, wie die Menschen am Brandenburger Tor gemeinsam feierten", erzählt Friederike.

Sie sah, wie die Leute überall Stücke aus dem Beton schlugen. "Das war ein Dauer-Geräusch von Hacken und Klopfen, an das ich mich heute noch erinnere." Neben diesem Geräusch ist der Berlinerin besonders ein Bild im Gedächtnis geblieben: ein Musiker, der in einer Mauerlücke Cello spielte. "Das hat mich beeindruckt."

TV-Tipps:Die Sendung "logo! extra" im Kika erklärt, was damals passierte - am Freitag, 7. November, um 19.25 Uhr. Um 19.40 Uhr läuft dann der Spielfilm "Sputnik". Darin geht es um drei Kinder, die auf der Ost-Seite der Grenze leben. Allerdings haben sie ein Problem. Mit einer Zaubermaschine haben sie die Bewohner eines Dorfes von Ostdeutschland nach Westdeutschland versetzt.
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