Der ärgert die Oberklasse

Obwohl außen kürzer und niedriger, ist der neue Opel Astra innen deutlich geräumiger geworden. Kopf- und Beinfreiheit haben gewonnen. Charakteristisch für das neue Design ist der Durchbruch an der C-Säule. Bild: bz

Die Rollen waren bislang ja bestens verteilt: Der Golf behauptet den Klassenprimus und der Astra spielt den zweiten Sieger. Jetzt macht der Opel den Überflieger und Volkswagen bei den Kompakten den ersten Platz streitig. Und das nicht nur im Werbespot.

Alte Tugenden und neue Qualitäten sollen den Rüsselsheimer Hoffnungsträger auf die Überholspur bringen. Die Opelaner sprechen da gar von einem Quantensprung. Ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen. Aber die Nummer 11 in der Generationenfolge macht tatsächlich was her. Vor knapp 80 Jahren noch als Kadett geboren, ist der1991 zum Astra umgetaufte Kompakte mit 24 Millionen verkaufter Einheiten das wohl wichtigste Modell der Marke mit dem Blitz.

Automobile Neuauflagen werden gemeinhin immer größer, stärker und leistungsfähiger. Da schlägt Opel einen anderen Weg ein. Der neue Astra ist außen kompakter, innen größer, alles zusammen leichter und damit sparsamer. Das klingt irgendwie nach einem Paradoxon, wenn die Karosse fast 50 Millimeter kürzer und 24 niedriger geworden ist, gleichwohl 35 Millimeter mehr Beinfreiheit hinten und ein Plus von 22 Millimeter an Kopffreiheit vorne bietet.

Trotz gegenteiliger Abmessungen wirkt der Neue flacher, länger und breiter. Astra-Chefdesigner Uwe Müller, übrigens ein gebürtiger Amberger, spricht denn auch von einer "skulpturalen Eleganz und leichteren, athletischen Erscheinung". Augenfälligstes Merkmal ist die zum Heck hin durchbrochene C-Säule. Mit dem Design-Kniff scheint das Dach sanft über der Karosserie zu schweben. Ob die nach dem Öffnen des Kofferraumdeckels übrig bleibenden kantigen Kunststoff-Ecken einen frostigen Winter überstehen, muss die Praxis zeigen. Das Heck mit seinen markanten Leuchteinheiten wirkt jedenfalls sehr muskulös.

Trotz der knappen Abmessungen ist der Innenraum großzügig. Der Fahrer sitzt nicht nur besser auf den zum Teil 18-fach verstellbarem Mobiliar, das jetzt auch gegen Aufpreis Ventilation und Massagefunktion bietet und die Anforderungen der Aktion "Gesunder Rücken" erfüllt, er hat auch eine bessere Rundumsicht. Und er findet sich besser zurecht. Die früher immer wieder kritisierte Armaturentafel mit den überfrachteten Knöpfen ist klar gegliederten Bedieninseln gewichen. Je nach Ausstattung gibt es Lenkrad-Fernbedienung, Touchscreen und Sprachfunktion.

Dabei haben die Ingenieure dem Astra ein ausgeklügeltes Diätprogramm verschrieben. Bis zu 200 Kilogramm - je nach Modell und Ausstattung - weniger Gewicht sind eine Menge Holz. Konsequenter Leichtbau heißt da der Fitness-Trainer. Und der schreibt sich mehr Agilität und damit Komfort und Fahrspaß auf die Fahnen. Unter der Haube des neuen Astra schlägt immer ein Herz aus dem neuen Motorenportfolio, dessen Leistungsspanne (Infokasten) von 95 bis 200 PS reicht. Auch wenn der Selbstzünder "dank" VW etwas in Verruf geraten ist: Die Flüster-Diesel der Rüsselsheimer sind eine Marke für sich.

Unter dem Stichwort "Demokratisierung" bringt Opel Technologien zum Einsatz, die eigentlich viel höheren Fahrzeugklassen vorbehalten sind. Das intelligente Matrix-Licht Intellilux LED zum Beispiel, das den Lichtkegel automatisch jeder Verkehrssituation anpasst. Der Fahrer sieht etwaige Hindernisse bis zu 40 Meter früher und kann bei Tempo 80 bis zu 1,5 Sekunden eher reagieren. Herzstück dabei ist die integrierte Frontkamera, die auch viele andere Sicherheitssysteme speist, Verkehrszeichen erkennt, die Spur hält und aktiv eingreift, wenn der Fahrer auf Abwege zu kommen scheint. Das System reguliert Abstand und Tempo zum Vordermann und - wenn es denn sein muss - bremst bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/ auch noch selbstständig. Ein Parkassistent bugsiert das Fahrzeug ohne Zutun des Piloten in die passende Lücke.

Als persönlicher Schutzengel ist via Opel Onstar per Knopfdruck ein realer Ansprechpartner rund um die Uhr verfügbar. Er alarmiert die Rettungsleitstelle, sollte bei einem Unfall ein Airbag ausgelöst werden, kann das Fahrzeug einfach stilllegen, sollte es gestohlen worden sein, stellt aktuelles Karten- und Infomaterial zum Download bereit und fungiert als 4G/LTE WLAN-Hotspot, mit dem sich bis zu sieben Endgeräte vom Smartphone bis zum Tablet an das System koppeln lassen.

Dazu feiert die neueste Generation von Intellilink Premiere. Damit holt Opel die Welt der Smartphones sowohl mit Apple Car Play als auch Android Auto in den Astra.
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