"Der Biber kann dieses System nicht zerstören oder ernsthaft gefährden"

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Ein Teppich aus Schwemmgut mit Algen blockiert ein Wehr. Schuld daran ist, nach Ansicht des Kraftwerkbetreibers, der Biber. Der fällt zahlreiche Bäume, damit fehlt die Beschattung der Vils; die Sonne heizt das Wasser auf und warmes nährstoffhaltiges Wasser fördert das Algenwachstum. Mit so einer verkürzten Zusammenstellung lässt sich das Phänomen aber nicht zwingend erklären.

Höhere Temperaturen und Nährstoffkonzentrationen begünstigen Algenwachstum. Durch die Triebwerkanlage kommt es zur Stauhaltung. Die Fließgeschwindigkeit geht stark zurück; es bilden sich stillwasserartige Bereiche. Dieses längere Zeit stehende Wasser erwärmt sich stärker. Darüber hinaus kommt es hier zu Veränderungen der Nährstoffkonzentrationen. Das heißt: In Staubereichen der Wehre werden Wachstumsbedingungen für Algen zusätzlich begünstigt.

Die Biber an der Vils haben in den Baumbestand eingegriffen. Es trifft aber nicht zu, dass allein dadurch die Vilsauen nachhaltig verändert wurden. Der Bestand an schattenbildenden Bäumen in den Uferstreifen wurde durch menschliche Aktivitäten großflächig reduziert: durch Intensivnutzung. Das heißt: Land- und Forstwirtschaft, Siedlungsbau, Verkehr.

An der Vils gibt es daher kilometerlange Strecken ohne Uferrandstreifen mit Bäumen (an den Nebengewässern sind solche Lücken noch größer). Das Wasser der Vils und ihrer Nebenflüsse wird somit weitgehend von der direkten Sonneneinstrahlung erwärmt. Die vom Biber gefällten Bäume spielen als fehlende Schattenspender, im Vergleich zu den durch Menschen verursachte Eingriffen, eine untergeordnete Rolle.

Der Betreiber sorgt sich um die intakte Natur im Fluss und befürchtet drohende Gefahr fürs ganze Ökosystem Vils. Dazu muss man aber berücksichtigen, dass massivste Beeinträchtigung und hohes Gefahrenrisiko für das Ökosystem direkt von der Stauhaltung ausgehen: massenhafte Algenvermehrung mit allen negativen Folgen, Verlust der Strukturvielfalt im Staubereich, Veränderung der natürlichen Fließwasserlebensgemeinschaften, Barrierewirkung für Lebewesen. Aus ökologischer Sicht erreicht man optimale Verbesserung durch Auflassung der Triebwerkanlage.

Einfach "die Schieber ziehen und den ganzen Haufen weitergeben" bedeutet nur, die Belastungen an andere Stellen zu verlagern. Von verantwortungsbewusstem Verhalten kann man hier nicht sprechen. Das Ökosystem Vils ist ein komplexes dynamisches Gefüge aus Lebewesen und deren unbelebter Umgebung. Der Biber kann dieses System nicht zerstören oder ernsthaft gefährden.

Bedeutende Einzelbäume müssen durch fachgerecht angebrachte Gitter geschützt werden. Dünnes Hasenstalldrahtnetz direkt auf der Rinde hält keinen Biber ab. Regulierende Maßnahmen bei Biberproblemen müssen von Behörden vor Ort nach aktuellen Gegebenheiten veranlasst werden. Ein runder Tisch aus Behördenvertreten, Vertretern der Naturschutzverbände und den Betroffenen könnte bei der Lösung schneller helfen. Dabei sollten auch Fragen zur Finanzierung angesprochen werden.

Der nachhaltigste Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems Vils ist durch das Anlegen durchgängiger Uferrandstreifen zu erreichen. Darauf müssen alle Anstrengungen und Bemühungen konzentriert werden. Diese müssen endlich verbindlich festgesetzt werden. Verzögerungen bei der Umsetzung können wir uns dabei nicht länger leisten.

Peter Zahn, VorsitzenderKreisgruppe Bund Naturschutz Amberg-Sulzbach
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