Der deutschstämmige Dan Lehnerer baut in Griffith, Indiana, eine Mikrobrauerei auf
Würzig und dezent wie die Oberpfalz

 
Dan Lehnerer (40) vor den Zapfhähnen in seiner Bierstube. In der Kleinstadt Griffith mit ihren fast 17 000 Einwohnern im Großraum Chicago hat er im Januar eine Mikrobrauerei eröffnet. Zu Ehren seiner Vorfahren hat er sie "New Oberpfalz" genannt. Bild: Joseph S. Pete, The Times of Northwest Indiana
 
Bilder: New Oberpfalz

Ein Bier zu Ehren von Angela Merkel. Dieser Tage gärt es in Kesseln einer kleinen Brauerei in Griffith im US-Bundesstaat Indiana vor sich hin. Um den 3. März herum will es Dan Lehnerer (40) an seine Gäste ausschenken - im "New Oberpfalz". So heißt sein neues kleines Lokal.

Munster, Lansing, Schererville. Hört sich Deutsch an. Tatsächlich gründeten Einwander Mitte des 19. Jahrhunderts diese Orte im Süden der Großen Seen in Nordamerika. Munster ist nach einem Niederländer benannt. Lansing heißt so, weil sich dort Henry, George und John Lansing niederließen. Schererville an der Südspitze des Michigansees wurde der Überlieferung nach 1866 von dem deutschen Auswanderer Nicholas Scherer gegründet. In dieser Gegend lebt auch Dan Lehnerer (40) mit seiner Frau (39) und den beiden Kindern. Sein Ur-Ur-Großvater, Georg Johann Lehnerer, kommt aus nördlicheren Gefilden - dem US-Bundesstaat Wisconsin. Geboren ist Georg Johann Lehnerer allerdings in der Oberpfalz - am 31. Oktober 1831 in Mittelreinbach (Kreis Amberg-Sulzbach).

Die Geschichte der Brauerei von Dan Lehnerer ist eng mit der seiner Familie verbunden. Der Ur-Ur-Großvater wanderte in den 1850er Jahren aus. Heimatkundler Walter Schraml aus dem benachbarten Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg weiß, dass der Name Lehnerer damals weit verbreitet war. Ein mit Schraml befreundeter Familienforscher hat herausgefunden, dass tatsächlich ein Georg Johann Lehnerer und seine Frau Margarethe aus Mittelreinbach am 15. Juni 1858 in Hamburg ein Schiff namens "Oder" bestiegen haben. Besagter Georg Johann Lehner soll am 4. August 1858 eingebürgert worden sein. Ob es sich dabei um Dan Lehnerers Ur-Ur-Großvater handelte, lässt sich nicht sicher klären.



Tatsache ist jedoch, dass Mitte des 19. Jahrhunderts Millionen von Europäern emigrierten. Laut Schraml gaben Not und Armut den Ausschlag, die Heimat zu verlassen. Die damals übliche Realteilung hatte oftmals dazu geführt, dass Bauernhöfe so klein geworden waren, dass keine der Familien mehr davon leben konnte. Angesichts der Situation zu Hause gingen viele Menschen das Risiko einer wochenlangen Überfahrt über den Atlantik ein.

Auch Dan Lehnerer und seine Frau gingen ein Risiko ein, als sie sich entschieden, eine Mikrobrauerei aufzubauen. "Es war ein Riesenrisiko und eine immense Herausforderung", resümiert Lehnerer. Er arbeitete für große Lebensmittel- und Getränkehersteller, zuletzt als Regionalleiter, zuständig für die Hälfte der Vereinigten Staaten. "Ich war ein sehr erfolgreicher Mensch, hatte ein gutes Leben und genoss viele der Dinge, die man sich für Geld kaufen kann." Schon damals interessierte er sich für Bier. In seiner Freizeit setzte er in seiner Wohnung Sude an, las Fachliteratur. Er ging zur Chicago Beer Society, einem Selbstbrauer-Club. Dort bekam er Tipps, was er besser machen könnte. Unentgeltlich half er in Brauereien mit. "Irgendwann dachte ich mir, es wäre toll, nur noch Bier zu brauen." Lehnerer bewarb sich bei unzähligen Brauereien. Doch kein Unternehmen stellte ihn ein, weil "ich 35 Jahre alt war und keine Erfahrung im Braugewerbe hatte".

Ein Traum-Job

"Dann habe ich langsam daran gedacht, eine eigene Brauerei zu eröffnen." Fünf Jahre später hat er es geschafft. Bier ist zu seiner Berufung geworden. Lehnerer arbeitet mit einem 10-Barrel-Maische-Bottich und einem 8 Barrel fassenden Braukessel mit Direktbefeuerung. Er verwendet amerikanisches Malz, aber auch deutsches, wenn es sich anbietet. "An drei Tragen pro Woche arbeite ich in der Brauerei, an weiteren drei Tagen ist die Schankstube geöffnet", sagt Lehnerer. Seine Frau, seine Großfamilie und seine Freunde unterstützten ihn dabei, diesen Traum verwirklichen zu können. Sie halfen etwa bei der Renovierung der heruntergekommenen Gebäude in Griffith.



"Es gab viele Momente, in denen ich verzweifelte", erinnert sich Lehnerer. "Aber der Dickschädel eines Bayern ist eine starke Waffe." Es sei gelungen, alle Hindernisse zu überwinden. Auch weil ihm seine Eltern gelehrt hätten, nie aufzugeben. "Eine Brauerei aufzubauen, ist unglaublich schwierig, und wenn Du nicht daran glaubst, dann kann ich Dir fast garantieren, dass Du Deinen Schöpfer finden wirst, wenn Du zum ersten Mal braust - wer auch immer dieser Schöpfer sein mag." Großen Rückhalt findet Dan Lehnerer bei seiner Familie. Die Lehnerers haben einen dreieinhalbjährigen Sohn und eine 21 Monate alte Tochter. "Sie sind unglaubliche Kinder und halten mich auf Trab. Sie bringen mich zum Lachen. Wenn ich nicht gerade durch die Brauerei laufe."

Das "New Oberpfalz" ist für Lehnerer eine Verbindung zu seiner Familiengeschichte. Die Hochzeitsreise führte nach Deutschland, in Brauereien und Mälzereien. Und in die Oberpfalz, nach Mittelreinbach und das benachbarte Holnstein. "Meine Frau und ich aßen zu Mittag im ,Weißen Roß' - ein wundervoller Ort", erinnert sich Lehnerer.

Beliebtes Bayern


Der Besuch beeindruckte ihn sehr: "Ich beschloss, diesen Teil meiner bayerischen Kultur wiederzubeleben. Es ist nicht Gemütlichkeit. Es ist etwas wesentlich Tieferes und Wichtigeres. Ich finde dafür kein Wort. Es ist einfach das, was die Oberpfalz ausmacht." Die Schlossbrauerei konnten die Lehnerers nicht besichtigen: "Unser Besuch fiel auf den 1. Mai und die Brauerei war geschlossen." Immerhin durfte er heimische Biere kosten - aus der Schlossbrauerei und einem Betrieb aus Sulzbach-Rosenberg.

"Bayerische Biere sind populär in Amerika", weiß Lehnerer. Zwar seien die Liebhaber von handwerklich gebrautem Bier mehr an Ale interessiert. "Ich habe aber bei Marktanalysen festgestellt, dass die Amerikaner bayerisches Bier mögen." Kellerbier sei sein Verkaufsschlager, gefolgt von Pale Ale. Amerikanische Brauereien würden bayerische Biere häufig zu stark machen. Ein Hefeweizen habe selten unter fünf Prozent Volumenalkohol. "Biere von ,New Oberpfalz' orientieren sich dagegen mehr an der traditionellen Brauweise, mit weniger Alkohol, aber einem dezenten, sehr würzigen Geschmack."

Was das Angela-Merkel-Bier angeht, ist Lehnerer zuversichtlich: "Die Gärung geht gut voran und es verspricht ein sehr gutes Bier zu werden." Lehnerer hat dafür deutsches Malz und Hopfen der Sorte "Mandarina Bavaria" verwendet, der ein ausgeprägtes Mandarinen-Aroma besitzt. Lehnerer hat sich vorgenommen, noch viel auszuprobieren.
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