Der Friedensnobelpreis kann auch Bürde sein

Angela Merkel wird es mit Fassung tragen. Und der Union dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Natürlich hätte sich ein Friedensnobelpreis für eine CDU-Kanzlerin in den Geschichtsbüchern prächtig gemacht. Mitten in der Flüchtlingskrise wäre die Auszeichnung aus Oslo aber auch Öl auf ein Feuer gewesen, das eh schon mächtig lodert. Denn mit ihrem beherzten Kurs in der Asylfrage hat Merkel viele jenseits der Union überzeugt, sich im eigenen Lager aber mehr Feinde als Freunde gemacht.

Die Jury des Nobel-Komitees hat sich für das tunesische Dialog-Quartett entschieden. Vielleicht auch, weil sie schlechte Erfahrungen mit dem "Yes we can" von Barack Obama gemacht hat und nicht schon wieder eine Formel wie "Wir schaffen das" prämieren wollte. Vielleicht, weil Merkels Erfolg ungewiss ist und ein Helmut Kohl, der "Macher der Einheit", noch immer auf die Ehrung wartet.

Jetzt war Tunesien die bessere Wahl. Weil der Übergang zur Demokratie dort das leuchtende Beispiel für den Arabischen Frühling ist. In Ägypten, noch mehr aber in Libyen, Syrien oder im Jemen war der Frühling vorbei, ehe er so richtig begonnen hatte. Dort schlug die Hoffnung um in Chaos und Bürgerkrieg. Merkel darf sich trösten: Sie bleibt auf der Favoritenliste - wenn die Befriedung der Ukraine ein gutes Ende nimmt und sie ihren Kurs in der Flüchtlingskrise durchhält.

albert.franz@derneuetag.de
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