Der Oberbürgerbeteiliger

Mit dem noch frischen Oberbürgermeister wandelt sich die Stadt. Joachim Wolbergs will Regensburg zur Sport- und Mitmachstadt und zur Hochburg der Gastfreundschaft machen.

Herr Wolbergs, Sie möchten Regensburg zur "Sportstadt" machen - wie stellen Sie sich das vor?

Wolbergs: Ich würde Regensburg gerne stärker im Spitzensport positionieren. Im Baseball sind wir Deutscher Meister bei Schülern, Jugend und Senioren. Im Handball spielen die Damen des ESV 27 in der 3. Liga, im Fußball der Jahn. Der EVR hat sich zum Glück auch wieder gefangen - dazu kommt Leichtathletik und die Eigengewächsveranstaltungen wie der Regensburg Marathon oder der Arber-Radmarathon. Ich will da jetzt mal die Beteiligten bei einem Sport-Gipfel an einen Tisch holen.

Einige Forderungen der Sportler haben Sie schon erfüllt?

Wolbergs: Ja, es kommt ein Sportinternat, eine Investition von 7,5 Millionen Euro, in dem Baseball, Eishockey, Fußball, Handball, Schwimmen und andere Sportarten vertreten sind. Baseball ist mit zehn von 30 Plätzen stark repräsentiert. Das ist wie eine Leistungssportschule. Dazu kommt eine Leichtathletikhalle am Weinweg. Was mir noch fehlt, ist die Außendarstellung dieser Aktivitäten.

Den Ironman vermissen Sie nicht?

Wolbergs: Doch, den würde ich gerne durch eine Challenge-Veranstaltung ersetzen, bei der ein Sportprogramm für ein halbes Jahr mit dabei ist und das Umland mit eingebunden wird - ein Rieseneffekt für eine Sportregion. Roth, wo eine Challenge GmbH inzwischen weltweit 44 Rennen organisiert, zeigt, welche Maßstäbe mit einem regionalen Großereignis gesetzt werden können.

Helfen Sie uns, welche "Herausforderung" ist so eine Challenge?

Wolbergs: Das ist eine Stufe unter dem Ironman, 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen, sozusagen die zweitbeste Marke. Nach dem Desaster mit dem Ironman ist das eine gute Alternative in Partnerschaft mit der Challenge GmbH.

Für 2015 sind 90 neue Stellen für die städtische Verwaltung eingeplant - in welchen Bereichen werden neue Stellen geschaffen?

Wolbergs: Der größte Bedarf entstand durch das Investitionsprogramm im Hoch- und Tiefbau, wo wir die Ausgaben von 340 auf 570 Millionen gesteigert haben. Der zweite große Block ist der Sozialbereich, wo wir fünf Jugendsozialarbeiter und vier Leute im allgemeinen Sozialdienst einstellen - dort geht es darum, alleinstehende Senioren, die nicht unter Betreuung stehen, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund, in Notwohnanlagen oder der Obdachlosenunterkunft an die Hand zu nehmen. Wir haben im Familienbereich gestiegene Fallzahlen. Wir brauchen einen Betreuer für frühere Familienhilfen und im Sozialpädagogischen Fachdienst.

Unsere Sing- und Musikschule will ihre Warteliste abbauen, auf der Hunderte Kinder stehen. Wir starten mit vier zusätzlichen Musiklehrern, wenn das nicht reicht, satteln wir drauf. Im neuen Museumsdepot ziehen wir alles zusammen, was wir bisher dezentral gelagert haben. Wir brauchen vier Stellen für zwei Jahre, um alles zu inventarisieren. Wege und Straßen sind deutlich mehr geworden, weil immer mehr Flächen erschlossen werden - entsprechend mehr Arbeit lief bei der Straßenreinigung und beim Gartenamt auf.

Erwartungsgemäß gab es eine Verschwendungsdebatte ...

Wolbergs: Das ist doch reine Parteipolemik. Mein Vorgänger Hans Schaidinger hat im letzten Jahr noch 82,5 Stellen geschaffen. Wenn es einem Unternehmen gut geht und es Stellen schafft, klatschen alle Beifall. Warum sollte das für eine Stadt nicht gelten? Schauen Sie, bis 2022 scheiden 523 städtische Mitarbeiter durch Ruhestand aus. Wenn man eine professionelle Personalentwicklung betreiben möchte, muss man rechtzeitig planen. Der Markt für Sozialpädagogen ist in zehn Jahren leer. Dazu kommt, dass wir einige, sehr wichtige Wahlversprechen umsetzen: In meinem Büro ist eine Stelle für bürgerschaftliches Engagement angesiedelt - die vom Freistaat gefördert wird. Und wir wollen eine Stelle, wo das Thema Bürgerbeteiligung angesiedelt wird. Wir wollen und müssen die Bürger bei Entscheidungen viel früher einbinden und das strukturiert organisieren.

Seit unserem letzten Gespräch hat sich die Lage der Asylbewerber verschärft - wie sieht die Übergangslösung aus, bis das geplante zentrale Auffanglager fertig ist?

Wolbergs: Wir haben für den Übergang Kapazitäten geschaffen - etwa einen Block der Notwohnanlage mit 80 Wohnplätzen in der Aussigerstraße herrichten lassen. Im Augenblick suchen wir ein Gelände, wo wir 100 Plätze mit Wohncontainern schaffen. Wir sind jeden Tag dran, mit Eigentümern zu telefonieren, Liegenschaften zu kaufen oder anzumieten. Bisher hat das gut funktioniert.

Der Krisenstab ist voll funktionsfähig, er hat 200 Flüchtlinge in zehn Tagen betreut. Es ist genial, wie Rettungsdienste, Feuerwehr, THW und städtische Mitarbeiter zusammenarbeiten. Es gibt eine überwältigende Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die von einer neu geschaffenen Stabstelle koordiniert wird, und wir gehen mit dem Thema offen um. Mir geht es ganz stark darum, nicht das Gefühl zu verbreiten, wie schlimm das für uns ist - im Gegenteil, wir sagen, wir freuen uns darauf, dass wir helfen können. Wir wollen jetzt ein Patenschaftssystem einführen, um normale Kontakte zwischen Regensburgern und etwa einer syrischen Familie in der Gemeinschaftsunterkunft möglich zu machen.

Die Stadt erstellt derzeit einen Lärmaktionsplan: mit welchen Konsequenzen?

Wolbergs: Das wird noch ein enorm wichtiges, aber auch ein sehr teueres Thema. Wir gehen da gerade in die Beteiligung, das wird ein Riesenprogramm. Die Lärmentwicklung etwa in der Landshuter Straße, wo wir heute fast durchgängig Rushhour haben, ist für die Anwohner eine immense Belastung. Manche sagen auch, man dürfe die A93 nicht dreispurig ausbauen, weil das noch mehr Verkehr anzieht. Ich sehe das anders, der Verkehr ist faktisch da, und wir haben nur Rechtsanspruch auf Lärmschutz, den der Bund bezahlen muss, wenn sie dreispurig ist.

Was haben Sie beim Presse-Spaziergang entlang der Donau vorgestellt?

Wolbergs: Im Wesentlichen ging's um Hochwasserschutz. Wir haben aber auch den Villa-Park besucht. Die königliche Villa ist sehr schön geworden, besonders der Bereich vor der Villa wurde toll rekonstruiert, die Neuanlage des Grabens, die restaurierten Mauern und neue Wege machen diesen Park besser erlebbar.

Der Wettbewerb für die Skulptur vor dem Haus der Bayerischen Geschichte hat für Unmut gesorgt - etablierte Künstler haben Plagiatsvorwürfe erhoben. Im besten Fall halten sie denn goldenen Waller für reichlich platt ...

Wolbergs: Es gab ein einstimmiges Ergebnis in der Jury, der Plagiatsvorwurf ist entkräftet. Wir machen so einen Wettbewerb ja nicht zum Spaß. Ich finde den Entwurf schön und er passt dorthin.

Was empfiehlt der Oberbürgermeister seinen Nordoberpfälzer Gästen im Regensburger Herbst und Winter?

Wolbergs: Die Weihnachtsmärkte gehören dazu, vor allem, wenn ich Gäste da habe. Ich gehe total gerne auf den Lukreziamarkt, weil's dort viel originelles Kunsthandwerk gibt.
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